Wir sind reich! oder Sind Kinder eine Zumutung?

Neulich sagte mein Vati am Telefon diesen Satz zu mir: „Mit drei Kindern, da mutest Du Dir ganz schön was zu!“
Diese Worte schwirren mir nun schon seit Tagen im Kopf herum und beschäftigen mich gedanklich extrem in unserer ersten Zeit als Dreifacheltern.
Nicht in erster Linie weil sie die vermeintlich besorgte, wahrscheinlich stirnrunzelnde Sichtweise meiner Eltern auf unseren für sie wohl stressig und chaotisch erscheinenden Familienalltag mit mittlerweile drei Kleinkindern widerspiegelt, sondern vor allem, weil sich in mir selbst seit dem die Frage auftut, ob wir uns DAS denn wirklich gut überlegt haben, also diese Sache mit den drei Kindern…

Nein, nein, nein, versteht mich an dieser Stelle nicht falsch: Es war immer unser Wunsch, mehr als zwei Kinder zu bekommen, und besonders mein Mann sah einen geringen Altersunterschied zwischen den Kindern aus verschiedenen Gründen als positiv an. Ich als Mama hingegen trat der Tatsache, drei Kleinkindern und deren Bedürfnissen gerecht zu werden eher mit Skepsis und zugegeben auch etwas Sorge entgegen:

Schaffen wir das? Bekommen wir unseren Alltag ohne familiäre Unterstützung geregelt? Haben wir genug Energie, um alles zu managen und nicht nur als „Erziehungsberechtigte“ zu funktionieren? Können wir uns genügend Zeit für und mit den Kindern nehmen? Und kriegen wir das finanziell auf die Reihe? Bin ich bereit, noch länger job- und interessenmässig zurückzustecken und weiterhin „nur“ Vollzeitmami (oder fast) zu sein? Fällt uns da nicht irgendwann die Decke auf den Kopf?

Irgendwie stand also die Frage, ob wir uns denn da nicht „zuviel zumuten“, in meinen Gedanken doch schon seit der Schwangerschaft indirekt im Raum. Wenn ich an die Zeit nach der Geburt dachte, also daran, wie denn nun die nackte Realität mit einem Kind mehr aussehen würde, machte sich nicht selten das Gefühl einer leichten Panik in mir breit. Oh je! Das wird alles andere als Zuckerschlecken. Ganz nach dem Motto: Das haben wir so gewollt, jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch!

Natürlich ist ein knapper Monat ein noch viel zu kurzer Zeitraum, um eine Bilanz zu ziehen über unser Familienleben zu Fünft. Noch befinden wir uns mitten in der Eingewöhnungs- und Umstellungsphase, und solange noch Kita-Ferien sind, wird sich auch noch nicht wirklich der reelle Alltag einstellen.

Aber klar -unser Familienleben ist gerade weder Zuckerschlecken noch Ponyhof: ernüchternde Diskussionen gibt es viele; der Großteil von ihnen ist der Müdigkeit von uns Erwachsenen geschuldet. Zwei Erwachsene stehen hier drei Wonneproppen gegenüber, und eine Verstärkung ist nicht in Sicht. Hier ist 24/7 der Ball am Rollen, und für andere Dinge bleibt gerade keine Zeit übrig. Die Kinder drehen manchmal durch, denn auch für sie ist die neue Konstellation, Mamas neue „Beschäftigung“ und die dadurch fehlende Aufmerksamkeit für sie erst einmal ein Dorn im Auge. Was vorher mit zwei Kindern gut organisiert werden musste, bedarf nun eines organisatorischen Masterplans. Jede freie Minute zählt, um hier und da ein Loch im Haushalt zu stopfen, die Liste der Besorgungen abzuarbeiten, lang versprochene Vorlesestunden nachzuholen oder die Legobaustelle voranzutreiben. Die Nächte sind kurz und die Tage manchmal scheinbar ellenlang. Das Sofa ruft oft nach uns doch es bleibt leer. Ja, es kostet viel Energie, Nerven und fordert ein großes Maß an Geduld, dieses Leben mit drei kleinen Kindern…

Doch an dieser Stelle kommt ein „Aber“: Denn seit mein Vati diesem Satz gesagt und somit indirekt auch meiner Sorge Ausdruck verliehen hat, fühlt sich diese negative Grundeinstellung zum Thema „Großfamilie“ (sind wir das jetzt?) irgendwie total verkehrt, ja fast schon fehl am Platz an. Kinder- eine Zumutung? Woher kommt eigentlich diese Idee? Warum sehen wir eigentlich immer zuerst das Anstrengende, das Schwierige, die „Zumutung“ an einer Sache, die- aus einem anderen Blickwinkel betrachtet- im wahrsten Sinne des Wortes „wunder-bar“ und „lebens-wert“ ist?

Die Antworten auf diese Fragen ergeben sich wohl aus dem Sinn, den wir unserem Leben geben wollen. Aus den Prioritäten, die unseren Alltag bestimmen und die wir selbst festlegen. Daraus, was wir von unserem Leben erwarten….

Ich möchte ehrlich sein: Nie hätte ich gedacht, dass ich meiner Familie mal so viel Zeit widmen würde. Oder das gar könnte. Nein, ich hatte nie die Absicht, berufsmäßig wieder prekär zu sein, nachdem ich mir viele Jahre lang in der Arbeitswelt, dazu noch im Ausland, einen Platz geschaffen hatte. Ich wollte eigentlich gar nie so ein „Hausmütterchen“ sein…
Doch wie heißt es so schön: „Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Und ich muss sagen: Auch wenn nicht alles immer läuft wie am Schnürchen und uns, ja, schon das eine oder andere Mal die Decke auf den Kopf fällt und wir wegen irgendeiner Kleinigkeit alle nacheinander oder schlimmstenfalls gleichzeitig ausflippen und mir Mama etwas mehr Zeit für mich als Frau fehlt, bin ich froh darüber, wie sich das Leben in unsere Pläne eingemischt und diese zum Teil komplett über den Haufen geworfen hat.

Nein, wir sind nicht steinreich und werden dies im jetzigen Leben wohl auch nie und nimmer sein. Der Karrierezug ist schon über alle Berge und ich trauere ihm nicht nach. Doch wenn wir eins sind, dann sind wir das: KINDERREICH. Dieses Wort, welches damals in der DDR meiner Kindheit ein so negativ und fast schon asozial behafteter Begriff war, hat für mich heute als Dreifachmama eine ganz neue Bedeutung gewonnen. Denn es schenkt dem, was uns im Leben am wertvollsten ist, einen sprachlichen, unmissverständlichen Ausdruck. Mein Reichtum ist nicht meine Karriere, sondern unsere Kinder!

Das mag an dieser Stelle sehr kitschig klingen, doch es spiegelt sehr passend die Prioritäten wider, die sich in unseren Leben als Verlobte, als Paar und dann als Eltern im Laufe der Jahre verschoben haben- mal gewollt, mal ganz unbemerkt, manchmal auch gezwungenermaßen. Es lässt erahnen, dass sich die Erwartungen, die wir an unser Leben stellen, geändert haben. Wir erwarten deswegen nicht weniger, sondern anders. Tiefer. Stärker Manchmal auch verbissener und beharrlicher. Denn es geht nicht mehr nur um uns und unser persönliches Wohlergehen oder unsere berufliche Laufbahn, sondern um das, was wir „Familie“ nennen: Um uns UND unsere Kinder.

Ein Cafebesitzer gleich in unserer Nähe meinte vor einiger Zeit in einem Smalltalk über das Thema Vereinbarkeit von Arbeit und Familie mal zu uns, dass Familie „doch nur nebenbei läuft“.
Damals habe ich etwas gestutzt und konnte dieser Aussage kein eigenes Gewicht geben. Familie nur nebenbei? Ist denn alles andere- Job, Geld, Hobbies- wichtiger, bedeutender, vorrangiger? Wo bleiben die Prioritäten?

Wenn ich allerdings heute, mit etwas Abstand, über diese Worte, die er da zwischen Tresen und Espressomaschine ganz beiläufig sagte, nachdenke, dann sage ich ganz klar „Nein“ zu dieser Aussage. Nein, Familie ist keine Parallelwelt, die „mal so nebenher läuft“ und sich allem Anderen unterordnet. Familie ist kein x-beliebiger Punkt auf der langen Liste der „Dinge“, die unser Leben ausmachen. Und Kinder zieht man nicht mal „so nebenbei“ groß. Allenfalls ist das Leben -mit oder ohne Kinder- eine Herausforderung, die es anzunehmen gilt. Tag für Tag aufs Neue. Das ist nicht einfach, klar, aber wo steht denn geschrieben, dass das Leben ein Kinderspiel ist? Und die Entscheidung für ein Leben als „Kinderreiche“ als eine „Zumutung“ zu bezeichen ist so, als würde man das Leben an sich als solches ansehen. Und wer tut das schon?   

In diesem Sinne habe ich mir vorgenommen, inmitten unseres manchmal wirren Alltagstrubels, inmitten der unvermeidbaren Reibereien, inmitten der Momente der Anspannung und des kindlichen Trotzes nicht zu vergessen, was mein Leben „lebens-wert“ und „wunder-bar“ macht. Nicht aus den Augen zu verlieren, wo mein Reichtum liegt. Und gegebenenfalls dem Begriff „ZuMUTung“ drei Buchstaben zu entnehmen und mir selbst das Wort „Mut“ zu schenken. Denn manchmal brauche ich genau ihn, um meinen eigenen Weg unbeharrt weiter zu gehen, ohne mich allzu sehr von der Meinung Aussenstehender beeinflussen zu lassen. Denn meine Prioritäten für die nächsten Jahre habe ich mittlerweile klar gesetzt.

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. maramarin21 sagt:

    „Kinder zieht man nicht so nebenbei groß“. Das ist ein ganz wichtiger Punkt und auch das Ergebnis meiner Erfahrungen und Beobachtungen der letzten Jahre. Es erfordert viel Aufmerksamkeit und Kraft und man bekommt dafür auch ganz viel zurück. Alles Liebe für Euch!

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    1. Mäusemamma sagt:

      Ja, es ist anstrengend und mühsam, aber es lohnt sich! Und oftmals spielt auch die eigene Einstellung eine wichtige Rolle! Viele Grüße zurück!!

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  2. Corinna sagt:

    Eine wunderbare Grundaussage! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Leute gibt, die ihr Leben nicht angepasst haben, als sie Kinder bekamen. Bei ihnen läuft tatsächlich die Familie nebenher. Dafür bist du offensichtlich nicht der Typ. Ich auch nicht. Egal ob eins, zwei oder drei Kinder – alles lässt sich organisieren, aber natürlich nicht, indem man so weitermacht wie als keine Kinder da waren.

    In diesem Sinne glaube ich, dass ihr das alles grundsätzlich im Griff habt. Außerdem spricht aus deinen Worten so viel Liebe und auch Spaß an den „Kinderdingen“ wie Lego z.B. … und außerdem denke ich, dass unsere Kindheit uns vielleicht irgendwie dahingehend beeinflusst, dass uns Geld und Status nicht so wichtig sind.

    Ich wünsche dir und deiner erweiterten Familie alles, alles erdenklich Gute! C.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Vielen lieben Dank für Dein Feedback, liebe Corinna! Ja, ich glaube auch dass man grundsätzlich bereit sein sollte, sein Leben zu ändern, sobald Kinder da sind. Die Prioritäten verschieben sich einfach, und wer so weiter macht wie zu kinderlosen Zeiten bereut es vielleicht irgendwann mal, sich nicht genug Zeit für die Familie genomnen zu haben. Und natürlich läuft bei uns nicht alles reibungslos, ganz im Gegenteil! Aber mir gefällt es so, wie es ist. Viele liebe Grüße zurück!

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      1. Corinna sagt:

        Und dass es dir gefällt, ist doch die Hauptsache. Genieße die schönen Momente und die anderen vergiss einfach! 🙂 Was sind schon die paar Jahre, die man zurücksteckt, gemessen an der ganzen restlichen Lebenszeit, in der sie nicht da waren oder uns nicht mehr brauchen werden? 😉

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      2. Mäusemamma sagt:

        Eben- sie werden so schnell groß und irgendwann werden uns die Jahre, in denen die Kids klein und trotzig und doch so niedlich waren, sicherlich fehlen…Viele Grüße!!

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      3. Corinna sagt:

        Oh, ja! Ich denke, du hast völlig recht! Grüße zurück! 🙂

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  3. Bora sagt:

    Vielen Dank für den wunderbaren Beitrag! Wir stecken oft in viel zu starren Vortellungen in Bezug auf das, was ein erfolgreiches und errungenes Leben ausmacht und laufen oft einem illusorischen Glück hinterher, das uns von unserer Umgebung beschrieben wird, wie es genau aussehen soll. Wenn Kinder dabei als „Störfaktor“ wahrgenommen werden, kann passieren, dass wir das Wesentliche aus den Augen verlieren und den Lebenssinn für uns selbst schwer bestimmen können. Die eigenen Prioritäten zu erkennen, dazu zu stehen und dabei das Gleichgewicht zu behalten, darin besteht für mich die wahre Lebenskunst. Euch alles erdenkliche Gute und genießt das Reichtum, das euch beschert wurde, mit all deren Freuden und Herausforderungen. Wie du schon sagtest, das ist eh das, was das Leben lebenswert macht.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Vielen Dank liebe Bora! Ich bin genau Deiner Auffassung, nur ist es manchmal nicht so leicht, sich nicht von der Meinung oder des sozialen Umfeldes im allgemeinen beeinflussen zu lassen. Oft wird einem indirekt suggeriert, wo man sein Glück zu finden hat, aber jeder sollte doch auf sein eigenes Gefühl hören. Euch Vieren auch alles, alles Gute und Liebe!! Claudia

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  4. Uli sagt:

    Erst einmal nachträglich meine Glückwünsche zur Geburt des dritten Kindes!
    Ich teile deine Meinung und kann euch nur bestärken; wir sind auch 5 und somit Kinder-reich. Es gab auch schwierige Zeiten, aber in erster Linie sind wir stolz.
    Die verrücktesten Reaktionen kamen seltersamerweise von meiner Mutter, die total perplex war und niedergeschlagen wurde, als sie von unserer Entscheidung „zum dritten Kind zu stehen “ erfuhr und von den italienischen Frauen unserer Generation, die mich ansprachen:“Sind das alle deine? Du spinnst ja!“
    Also, Daumen hoch und es lebe die große Familie! Ciao deine ulrike

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    1. Mäusemamma sagt:

      Vielen Dank liebe Ulrike😍!
      Ja, meine Eltern waren anfangs sicherlich auch etwas geschockt, auch wenn sie ihre Enkel vergöttern!! Erstaunlicherweise kennen wir hier bei uns relativ viele junge Familien, die drei oder mehr Kinder haben! Wir sind also hier gar nicht mal so die Ausnahme und die Meisten freuen sich aufrichtig mit uns. Viele liebe Grüße und alles Gute auch für Euch!!!

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  5. Sehr schöner Artikel. Ich will auch gern ein drittes Kind, aber meine Eltern sagen dauernd, zwei wären doch genug. Wäre ja schon so anstrengend genug. Aber doch so schön, das ist es sowas von Wert!

    Früher ging die Erziehung so nebenbei. Wenn meine Eltern immer sehen, wie ich mich für meine Kinder ins Zeug legen, erzählen sie gern, dass sie mich einfach ins Laufgitter gesetzt haben und da hab ich mich schon beschäftigt. Und trotzdem sagen sie Kinder wären so stressig, wundert mich immer wieder..

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    1. Mäusemamma sagt:

      Oh genau dieselben Aussagen kenne ich von meinen Eltern auch! Sie haben sich viel, viel weniger Zeit für uns Kindern genommen/ nehmen können und ein Laufgitter gab es bei uns auch! Sie sagen auch immer, dass wir sehr viel Zeit mit unseren Kids verbringen, sie das aber damals (in der DDR) nicht konnten, weil sie Beide berufstätig waren und „eh alles anders war“. Aber wenn Du gerne noch ein drittes Kind möchtest, dann solltest Du auf DEIN Bauchgefühl hören…Viele liebe Grüße und danke für Dein Feedback!

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