Zuviel des Guten (?) oder Dürfen sich Kinder langweilen?

Ludo* ist 5 Jahre alt und im letzten Kindergartenjahr. Im Herbst kommt er in die Schule.

(* Ludo heißt natürlich nicht wirklich Ludo, es gibt ihn aber trotzdem)

Auf dem Gruppenfoto im Kita-Flur ist Ludo der mit dem frechsten Blick. Während die anderen Kinder brav für das Foto ihre bunten Luftballons halten, versucht Ludo wohl, mit seiner Geste einen coolen Rapper zu imitieren. Ludo ist einer von diesen Jungs, die gerne mal auf Durchzug schalten. Einer von denen, die wohl allgemein unter die Kategorie „Rabauke“ fallen.

Ludo wird jeden Nachmittag von seinem Kindermädchen abgeholt. Lange Zeit war ich der festen Überzeugung, dass sie Ludo’s Mutter sei, da ich diese bis vor Kurzem noch nie in Farbe gesehen hatte. Oder es kommt sein englischsprachiger Nanny, der seit ein paar Monaten die Familie unterstützt und dabei vor allem zwei Aufgaben hat: Dem kleinen Rabauken Englisch beizubringen und ihn zu seinen vielfältigen Freizeitaktivitäten zu begleiten. Ludo ist 5.

Als Ludo noch die Kinderkrippe besuchte, brachten ihn seine Eltern regelmäßig zu einem Englischkurs in eine 30 Kilometer entfernte Stadt. Der Beste sollte es sein. Die bunten Mäuse und Bärchen auf der Eingangstür ins Spielzimmer konnte er schon fehlerfrei übersetzen. Damals fand ich das erstaunlich. Heute habe ich Zweifel.

Im selben Winter machte Ludo einen Skikurs für Kleinkinder. Jeden Samstag fiel der Mittagsschlaf aus- dafür durfte er mit einem Skilehrer und anderen Kindern allein in ein nahes Wintersportgebiet fahren. Die Eltern holten ihn abends vom Bus wieder ab. Mittlerweile, Ludo ist ja schon 5, besucht er einen Fortgeschrittenenkurs. Zweimal die Woche geht es nach der Kita auf die Hänge. Ohne Eltern versteht sich. Die sind arbeiten von früh bis abends. Ach ja, Tennis spielt er auch noch. Jeden Donnerstag.

Als ich Ludo’s Mama einmal flüchtig auf der Straße kennenlernte, vertraute sie mir in unserem kurzen Gespräch etwas an, was mir noch heute zu denken gibt. Sie sagte:

Wenn ich mit meinen Kindern spiele, bin ich nach zwei Minuten zu Tode gelangweilt.“

Natürlich steht es mir in keiner Weise zu, über die Kindererziehung und die Organisation des Alltages von anderen Familien zu urteilen, doch dieser Ludo und dieser Satz, die gehen mir irgendwie nicht mehr aus dem Kopf und haben meinen Gedankenlauf angestoßen: Ich frage mich:

Wieviel externe Freizeitaktivitäten möchte ich für meine Kinder? Inwieweit sehe ich persönlich „Frühförderung“ als gut, wichtig oder erstrebenswert an? Sind meine Kinder hobbymässig ausgelastet?

Dabei interessieren mich auch gar nicht in erster Linie die finanziellen und organisatorischen Aufwände, da ich diese eher als sekundär einstufe. Vielmehr beschäftigt mich die Frage:

Brauchen meine Kinder so viel Action und organisierte Beschäftigung wie Ludo?

Wenn ich in der Hinsicht eins aus meiner eigenen Kindheit mitnehme, dann vor allem das: Dass Langeweile kreativ macht. Es ist natürlich keineswegs so, dass ich in meinen zarten Jahren in meinem Kämmerchen verstaubt wäre und ohne jegliche Freizeitgestaltung auskommen musste- ganz im Gegenteil! Ich war ein Schlüsselkind und organisierte meine Nachmittage oft selbst: Mit FreundInnen zogen wir um die Häuserblocks, hingen rücklings an Klettergerüsten rum, gingen auch mal in die Schwimmhalle und im Winter rodeln. Mit meinem Bruder baute ich Raumschiffhöhlen oder sah ihm begeistert dabei zu, wie er in Windeseile Modellbaukästen zusammenbaute. Ich las viel und gerne, und wenn ich gar nichts mit mir anzufangen wusste, dann malte ich oder dachte mir phantasievolle Geschichten aus. Ich verspürte ehrlich gesagt nie das Bedürfnis, einem „geregelten“ Hobby nachzugehen. Und wenn ich doch mal neugierigerweise etwas ausprobierte, hielt ich nicht lange durch. Ich war zufrieden mit meinen unbeschwerten Nachmittagen in unserem Neubaugebiet oder im Schrebergarten mit meinen Eltern. Mehr brauchte und wollte ich auch gar nicht.

Natürlich kann man nicht alle Kinder und deren Charaktereigenschaften, frühkindliche Interessen und vielleicht auch Wünsche über einen Kamm scheren. Es gibt sicherlich Kids, die schon zeitig an gewissen Aktivitäten interessiert sind und einfach Lust und Energie haben, unabhängig vom Elternhaus etwas Neues auszuprobieren, zu erlernen, zu erleben. Zeitlich geregelte Aktivitäten helfen sicherlich auch diesen Energiebündel- Kindern wie Ludo, ihre Power in eine sinnvolle Richtung zu lenken und so spielerisch etwas zu lernen, wozu man später womöglich ewig brauchen würde.

Natürlich habe auch ich absolut nichts gegen Schnupperkurse oder Freizeitangebote für die Kleinsten- solange diese ein gesundes und vor allem für das Kind sinnvolles Mittelmaß darstellen. Denn das „Gutgemeinte“ kann schnell auch mal zuviel des Guten werden. Vielleicht ist Ludo so wie er ist weil er nie zur Ruhe kommt? Würde er mit Weniger ausgeglichener sein?

Deshalb meine Frage: Muss all das unbedingt sein? Kommen (meine) Kids nicht auch ganz gut alleine und ohne organisierte Führung klar?

Wenn ich meinen Sohn im Kindergartenalter anschaue, dann erkenne ich sehr oft das Spiegelbild meiner Selbst. Nach einem langen Kindergartentag, der stundenmässig fast einem Arbeitstag gleich kommt, fällt er abends todmüde ins Bett. Die vielen Eindrücke, die manchmal chaotische Umgebung, seine Klassenkameraden, denen er eher zurückhaltend begegnet, die zahlreichen Aktivitäten und routinierten Abläufe- all das entlädt seine Batterien. Zum Auftanken braucht er Ruhe und Zeit. Zeit, die ich ihm gerne gebe, ohne ihn mit noch weiteren Aktivitäten und damit einhergehenden Terminen zu überladen.

Aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften und seinem Wesenszug würde ich ihm wohl sogar Kummer bereiten, wenn ich ihn jeden Samstag in einen Bus setzen würde, der ihn auf die Skipisten bringt. Ebenso wenig hat er jemals wirkliches Interesse daran gezeigt, regelmäßig einer Freizeitaktivität nachzugehen. Natürlich beeindrucken ihn ältere, bekannte Jungs, die zum Fußballtraining abgeholt werden. Und klar schaut er sich gerne mal mit seinem Papi ein Basketballspiel an. Okay, mit den Fremdsprachen und Musik hat er es nicht unbedingt so am Hut; dennoch soll das keinesfalls bedeuten, dass unser Sohn nicht aufgeweckt und ohne Neugier durch die Weltgeschichte zieht. Nur hat er noch genügend Zeit, um flügge zu werden und Hobbies und Interessen zu kultivieren. Finde ich jedenfalls.

Während also klein Ludo mit einem seiner BabysitterInnen von einem Termin zum nächsten hechtet, kramt unser Sohnemann wahrscheinlich eines seiner unzähligen Puzzle hervor, mit denen er sich gut und gerne eine ganze Weile konzentriert beschäftigt und es ihm dabei hilft, den Kita-Tag zu verarbeiten. Während Ludo am Samstagmittag im Bus zum Skikurs sitzt, darf sich unser Großer eine Bettgeschichte wünschen, die ihn in den Mittagsschlaf begleitet. Und während Ludo abends vielleicht Englisch paukt, darf unser vierjähriger Wonneproppen der Mama beim Kochen helfen.

Persönlich würde ich also die Frage, ob Kinder wirklich so viel Action und organisierte Aktivitäten brauchen, mit einem klaren „Nein“ beantworten. Kinder sollten meiner Meinung nach Kinder sein und ihrer Kreativität freien Lauf lassen dürfen. Kreativität, die eben auch oft aus Langeweile entsteht. Ist das denn schlimm? Nein, ist es nicht. Ich meine, dass es genau diese „freien“ Stunden sind, die ihnen dazu behilflich sind, eigene Interessen zu erkennen und zu pflegen.

Und natürlich mache auch ich als Mama nicht immer Freudensprünge, wenn mein Sohn darauf besteht, doch bitte unbedingt und sofort mit ihm auf dem Boden eine Autorennbahn zu bauen, während sich im Nebenzimmer die Wäsche stapelt und die Gemüsesuppe anzubrennen droht. Auch ich empfinde manchmal Langeweile, wenn ich in die Welt meiner Kinder eintauchen und den Elternalltag mal für eine Weile vergessen soll.

Aber gehört nicht auch das zum Elternsein dazu? Sich mit seinen Kindern auf eine unbekannte Reise zu begeben und die eigenen Prioritäten und Ansprüche mal hinten an zu stellen? Auch mal Langeweile zu empfinden und dieser nicht mit tausend Aktivitäten versuchen entgegen zu wirken? Und vor allem keine Angst davor zu haben, den Kids nicht genug bieten zu können, wenn sie nicht in jedem Sportclub, Musikverein und Sprachenkurs präsent sind.

In diesem Sinne frage ich Euch Leser gerne: Was ist Eure Einstellung zu organisierten Freizeitaktivitäten und Frühförderung für Kita-Kinder?

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20 Kommentare Gib deinen ab

  1. maramarin21 sagt:

    Ich habe für dieses Jahr beschlossen, dass mein vierjähriges Kind keine Kurse braucht und ich auch nicht. Es soll lediglich an die frische Luft und andere Kinder treffen. Wir haben uns letztes und vorletztes Jahr nachmittags oft zum ein oder anderen Kurs gequält, mein Kind wollte sehr oft nicht und ich war oft auch total müde. Seit einigen Wochen beobachte ich, dass es meinem Kind sehr gut geht, mit ein wenig Leerlaufzeit. Es ist ruhiger geworden, bekommt viel weniger Schreianfälle. Uns fehlt nichts, gar nichts.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Oh ja, das kann ich gut verstehen und ich bin da ganz Deiner Meinung. Auch wur sitzen natürlich nicht nur daheim rum, sondern unternehmen was oder treffen andere Kinder. Klar sind nicht alle Kinder und Familien gleich, und was bei uns vielleicht in eine allgemeine Stresssituation ausartet, ist für andere womögliche eine heiß ersehnte Abwechslung. Dennoch aber bin ich persönlich der Ansicht, das Kids im Kita-Alter vor allem wahre Freizeit brauchen. Viele Grüße!

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      1. maramarin21 sagt:

        Das kann ich nur unterschreiben, anhand meiner bisherigen Erfahrungen.

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  2. Anna sagt:

    Ich finde man sollte Kinder nicht zu sehr mit Aktivitäten belasten, denn ja, ich sehe es wirklich als Last. Als Erwachsene werden sie später noch genug auf Leistung und Erfolg getrimmt werden. Kinder sollten Kind sein dürfen. Das vergessen viele Erwachsene und glauben ihrem Kind was gutes zu tun. In diesem Falle fühlt sich die Mutter sicherlich auch entlastet, wenn das Kind Beschäftigung hat. Ich sah vor ein paar Jahren eine Reportage über Freizeitaktivitäten von Kindern, es wurde der ganze Wochenalltag von Wissenschaftlern analysiert und die kamen zum Schluss, dass manche Kinder heutzutage den Stresspegel eines Managers besitzen. Das ist doch erschreckend. Wie du finde ich, dass Kreativität auch durch Selbstbeschäftigung ensteht und nicht nur durch Input von außen. Ich teile deine Meinung, dass es manchmal wirklich zu viel des Guten ist. Liebste Grüße, Anna

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    1. Mäusemamma sagt:

      Liebe Anna! Ich bin da voll und ganz Deiner Meinung! Um Himmels Willen- wer möchte denn sein Kind schon stressen wie einen Manager im Berufsleben?! Leider glaube ich, dass sich einige Eltern gar nicht bewusst sind, dass Kinder, so finde ich, andere Massstäbe, ein anderes Zeitgefühl und andere Bedürfnisse als wir Erwachsene haben. Ich glaube nicht, dass sie wirklich immer einen voll durchgeplanten Tag brauchen, nur weil wir Erwachsenen das (leider) so gewöhnt sind. Selbstbeschäftigung finde auch ich viel förderlicher- ohne dabei die Interessen und die Neugier des Kindes unterdrücken zu wollen. Unser Sohn ist zum Beispiel begeistert von Bocce- was ich total langweilig finde😂. Aber wer weiß, ob in ein paar Jahren ein Hobby für ihn draus wird. Bis dahin hat er noch genügend Zeit, um das herauszufinden und sich auszuprobieren. Viel Grüße an Dich!

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  3. In vielen Fällen – vor allem bei hoffnungslos überfrachteten Programmen – muss man sich schon die Frage stellen, ob hier nicht einfach ein Burnout frühgefördert wird. Wenn sich besondere Interessen (möglicherweise im Verbund mit einem außergewöhnlichen Talent) zeigen, kann eine gezielte Förderung schon sinnvoll sein. Meine Beobachtung ist aber – seit geraumer Zeit – immer wieder die, dass eine blindwütige „Allesmöglicheförderung“ letztlich auf eine Verzettelung hinausläuft, die genau das Gegenteil der eigentlichen Intention bewirkt. Das Wort „Entwicklung“ sagt ja bereits, dass Anlagen zur Entfaltung gelangen sollen. Dazu muss ein Kind aber auch Zeit bekommen, seine Anlagen und Interessen zu entdecken – und das gelingt nur sehr schwer, wenn es durch ständige Inputs von außen in der Entdeckung seiner natürlichen Anlagen permanent gestört wird.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Ich stimme da voll und ganz mit Dir überein. Vor allem habe ich gerade im Extremfall „Ludo“ das Gefühl, dass das Kind und seine vermeintliche „Freizeit“ vor allem deswegen so durchorganisiert werden, weil die Eltern in der Zeit nicht präsent sind. Dies durch berufliche Verpflichtungen nicht können oder es nicht wollen. Der Satz der Mutti ist tatsächlich so gefallen und sagt doch versteckt aus, dass man die Spielzeit mit seinen Kindern als verlorene Zeit ansieht. Also dann lieber von vorne bis hinten durchplanen. Dass das nicht selten zu Lasten des Kindes geht ist den Eltern womöglich oft gar nicht bewusst. Ich jedenfalls bin für mehr Langeweile, weniger Inputs, mehr Zeit für Selbstbeschäftigung und das Entwickeln von Kreativität und wahren Interessen. Viele Grüße!

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      1. Ja, das stimmt. Manchmal kommen die Eltern gar nicht auf die Idee, dass das Kind ganz etwas anderes wollen (und brauchen) könnte. Sie sorgen damit nach bestem Wissen und Gewissen für ihre Vorstellung der Bedürfnisse des Kindes (dass das Kind ganz andere Bedürfnisse haben könnte, passt nicht ganz in ihr Weltbild). Die Eltern wollen nur „das Beste“ für das Kind – nur dass die Kinder leider dieses „Beste“ gar nicht so furchtbar gut finden. Vor allem sollte das Kind auch, soweit es sich machen lässt, nach seinem eigenen Tempo leben dürfen.

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    2. Mäusemamma sagt:

      Ja, leider hetzen wir Eltern aufgrund tausender Verpflichtungen immer durch den Tag und ziehen die Kids dabei unbewusst mit hinein in dieses hektische Schlamassel. Vielleicht wäre es ab und an gut mal innezuhalten und sich zu fragen, was denn wirklich „das Beste“ für alle Beteiligten ist. Für mich persönlich hieß das zum Beispiel an einem bestimmten Punkt, dass ich der Familie zuliebe für die nächsten Jahre meinen Job in Festanstellung an den Nagel hänge- denn sonst waren auch wir nur noch durch den Alltag gerast, als wären wir auf der Flucht. Und auch ich hätte mich dann im Dilemma wiedergefunden, die Nachmittage meiner Kids irgendwie organisieren zu müssen, da ich ja selbst erst abends spät daheim gewesen wäre. Und das wollte ich nicht. Jedem steht es frei, über seinen und den Alltag der Familie zu entscheiden, doch ich finde, unter dem Strich muss eine gewisse Lebensqualität gegeben sein, die nicht nur vom Finanziellen abhängt.

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  4. Corinna sagt:

    Genau darüber habe ich erst unlängst nachgedacht, weil ich einen Deutschkurs mit einem fünfjährigen und einem sechsjährigen Kind mache; beide Geschwister. Sie kommen total kaputt in den Unterricht, weil beide davor, d.h. nach der Vorschule bzw. dem Kindergarten schon einen Sportkurs machen. Sie haben jeder ein Kindermädchen, die mit ihnen nur Englisch sprechen, und, so wie ich es verstanden habe, sind sie auch an den anderen Wochentagen mit weiteren Freizeitbeschäftigungen ausgelastet (Tennis, Eislaufen, Musikunterricht).

    Mal abgesehen von der Sinnhaftigkeit dieses Deutschunterrichtes, in dem wir hauptsächlich singen, spielen und ausmalen, habe ich mich gefragt, wie lange am Tag diese Kinder ihre Eltern sehen. Und warum diese Eltern eigentlich Kinder wollten, wenn sie diese doch den ganzen Tag von sich fernhalten.

    Als Folge habe ich auch mit meinem Mann darüber gesprochen, wie wir es handhaben wollen, wenn unser Sohn ein wenig älter ist. Wir sind uns sofort einig geworden, dass wir maximal ein Hobby aussuchen würden, sobald sich für irgendetwas ein besonderes Interesse und Talent zeigt. Ich glaube, heutzutage unterschätzen viele, wie sehr das normale Spielen zu Hause für das Kind „Arbeit“ darstellt. Ein Kind, dass gewohnt ist, nicht unterhalten zu werden, sucht sich seine Beschäftigung und entwickelt sich zu einem kreativen und selbständigen Menschen.

    Als Eltern sollte man auch seine eigenen Fähigkeiten nicht unterschätzen. Warum muss es ein Sportkurs sein, wenn man auch einen regelmäßiger Spaziergang mit den Eltern, bei dem man mal ein bisschen rennt und sich gegenseitig auf Dinge am Wegesrand aufmerksam macht, machen kann? Ja, vielleicht ist es für Erwachsene langweilig, eine halbe Stunde einem Bagger zuzusehen, aber wenn man sein Kind zu allen möglichen Beschäftigungen karrt, es wieder abholen oder gar vor der Tür warten muss, dürfte das auch nicht weniger langweilig sein. Außerdem kann man sich dabei mit seinem Kind austauschen. Ich habe in der Familie beobachtet, dass Kinder gar nicht mehr erzählen können (oder wollen), was sie den ganzen Tag lang gemacht haben, weil sie es nicht gewöhnt sind, dass jemand ihnen zuhört oder gar Interesse daran zeigt.

    Ach, ich könnte zu diesen Thema noch so viel schreiben… Statusgefühle. Zukunftsangst der Eltern … meiner Meinung nach ist das Überlasten mit Frühförderung ein Thema das weit über die Frage nach Langeweile hinausgeht.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Liebe Corinna! Dein Erfahrungen mit den zwei Geschwisterkindern bestätigen genau das, was ich auch hier nicht selten beobachte: Dass Eltern scheinbar aus Zukunfsangst ihren Kindern schon früh alle Türen offen halten wollen und dabei gar nicht bemerken, wie schädlich so ein frühkindlicher Stress sein kann! Ich bin ganz Deiner Meinung: Ein Spaziergang mit den Eltern, der eben auch für den Austausch und die Kommunikation miteinander förderlich ist, hat vielmehr Bedeutung als zig Sportkurse. Denn das Wichtigste in den jungen Jahren ist doch, eine Persönlichkeit zu festigen, und dafür ist nun mal die Präsenz der Eltern unabdingbar. Und ebenso bin ich Deiner Ansicht, dass „simples“ Spielen für Kinder ja schon „Arbeit“ ist. Warum sollte man sie übermäßig „drillen“? Was natürlich nicht heißen soll, dass man wirkliche Interessen, die sich im Laufe der Zeit sicherlich entwickeln, nicht unterstützen sollte. Danke für Deinen Kommentar! Viele Grüße!

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  5. Ich stimme dir zu: Langeweile fördert wirklich Kreativität und abgesehen davon ist es sicher schön, wenn du dir die Zeit nimmst für deinen Sohn. Ich glaube, dass es das ist, was Kinder vielmehr brauchen: Zeit mit den Eltern. Und Programme oder Förderung eventuell nur dann, wenn sie wirklich Spaß machen.
    LG Schokomama

    1. Mäusemamma sagt:

      Genau so sehe ich das auch, liebe Schokomama😋😂! Zeit mit den Eltern ist doch in dem Alter das Wichtigste- Wichtiger als tausend Aktivitäten, von denen wir Eltern wahrscheinlich in erster Linie denken, dass sie gut, richtig und sinnvoll für unsere Kleinsten sind. Viele Grüße an Dich und….ich muss noch Deine Nominierung „abarbeiten“😉…habe es nicht vergessen.

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      1. Genau so ist es! 😊
        Bin schon gespannt auf Deine 7 Fakten über Dich. Aber nur kein Stress…😎 Ganz liebe Grüße

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  6. Anne sagt:

    „Natürlich steht es mir in keiner Weise zu, über die Kindererziehung und die Organisation des Alltages von anderen Familien zu urteilen,..“
    Du hast es selber erkannt und dennoch tust du es. Du be- und verurteilst eine Mama und ein Lebensmodell, das von deinem Abweicht. Ok, du betonst Dinge wie „meine“ Kinder aber letztendlich verurteilst du die andere Mama und meinst sogar vermuten zu dürfen ob Ludo nicht deswegen so ist wie er ist. Können wir ja jetzt mal ein bisschen weiterspinnen: Dann sind also auch Schreikinder wahrscheinlich so wie sie sind, weil die Eltern irgendwas falsch machen.

    Können wir nicht eeeeeeendlich davon wegkommen ständig andere Mamas, Papas, Erziehungsstile und -modelle zu verurteilen? Dein Post wäre toll gewesen wenn du einfach darauf verzichtet hättest darauf rumzureiten, dass es deinem Kind sooo viel besser geht als Ludolf (siehe Absatz „Während also klein Ludo..“). Du hättest Ludolf einfach komplett weglassen können. Und dann wäre es nicht ein „das ist besser als das“, sondern wirklich ein “ so mache ich es für uns“.

    Und der nächste Post ist dann wieder einer darüber, dass man als Mutter ständig verurteilt wird… Und Schuld sind immer die anderen.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Liebe Anne! Danke für Deinen Kommentar. Mit meinem Beitrag habe ich nicht die Absicht gehabt, über die Lebensmodelle anderer zu urteilen, sondern lediglich meine Sichtweise auf das Thema Freizeitaktivitäten niederzuschreiben. Dass der „Aufhänger“ dafür eben Ludo ist, mag natürlich auch als Urteil rüberkommen und das verstehe ich, denn in einigen Passagen spiegelt sich schon sehr deutlich meine Meinung wider. Aber mal ehrlich: Machst Du Dir nie Gedanken darüber, wie die anderen ihren Alltag organisieren? Ist doch logisch, dass gewisse Situationen, denen man alltäglich begegnet, zum Nachdenken anregen. Mit meinem Artikel möchte ich weder anderen Eltern Schuld zuweisen dafür, wie die Kinder sind, sondern lediglich Fragen aufwerfen. Mein Kind ist auch hochallergisch und hat bis zum dritten Lebensjahr keine feste Nahrung zu sich genommen. Meine Schuld? Keine Ahnung. Ja. Vielleicht. Nein. Kommt auf den Betrachter an. Mit meinem Artikel möchte ich auch nicht meinen Erziehungsstil und meine Kinder besser als andere darstellen- es ging mir nicht um einen Vergleich, sondern um die Darstellung meiner Ansichten.

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    1. Mäusemamma sagt:

      Danke für ’s Verlinken. Vielleicht kommt es zu weiteren interessanten und facettenreichen Möglichkeiten des Austausches.

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