Schneeflöckchen Weißröckchen – Mein Wintermärchen

am

Italien und Schneefall- das sind nicht unbedingt zwei Komponenten, die so selbstverständlich zueinander passen. Und dennoch hat es Frau Holle in diesen Tagen gut mit uns gemeint und uns einige Zentimeter weiße Pracht geschenkt!
Am gestrigen Morgen nach der flöckchenreichen Nacht lag ich bereits aufgeregt wie Bolle um 4 Uhr wach. Ich konnte es kaum erwarten, meine Kinder im Schnee toben zu sehen- das erste richtige Mal in ihrem Leben! Mich packte quasi die Angst, dass der weiße Zauber in ein paar Stunden bereits wieder verschwunden sein könnte und hätte sie am liebsten geweckt, in ihre niegelnagelneuen Scheeanzüge gesteckt, um sie die glücklichen Ersten sein zu lassen, die ihre Tappser auf der noch so reinen Schneedecke hinterlassen dürfen.

Mit einer Tasse heißem Milchkaffee stellte ich mich irgendwann gegen 5 neben den hellen Schwibbogen ans Fenster und genoss diesen für mich wunderbaren Anblick da draußen, während alle anderen noch wohlig unter ihren warmen Decken die Nacht ausklingen ließen.

Ich fand ja schon immer, dass Schnee etwas Magisches an sich hat: Eine sanfte Stille legt sich stets über alles, sobald die weißen Flocken beginnen, die Erde zu bedecken. Die sonst so lärmigen Straßengeräusche werden schlagartig gedämpft, und die Welt scheint für ein paar Stunden ganz friedlich und ruhig zu werden.
Also gut- sagen wir, bis die Schneemaschine kommt😉.

Als Kind gehörte Schnee für mich ganz selbstverständlich zu jedem Winter dazu.
Wenn es schneite, dann richtig! Dann hieß es dicke Klamotten an, den Schlitten aus dem Müllschluckerraum holen und auf dem nächsten Rodelberg, von dem unser Neubaugebiet eine prachtvolle Menge zu bieten hatte. Je nach Abhanggefälle wurde dann altersgemäß bis zum Umfallen und Erfrieren gerodelt. Wir hatten zudem das Glück, noch einen kleinen Ententeich in der Nähe zu haben, auf dem man, wenn er zugefroren war, perfekt mit seinen Gleitschuhen eislaufen konnte.
Und um uns dann nicht ganz klitschnass in der Abendröte daheim zu präsentieren, wärmten wir unsere triefende Kleidung und unsere roten Bäckchen an den warmen Heizungen im Hausflur auf.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kamen mir zu jener frühen Stunden auch einige Anekdoten wieder ins Gedächtnis, die meine Eltern ganz gerne erzählten:
Mein Vati, der irgendwann Ende der 70er, am Morgen seiner Musterung und nach einer Schneenacht, die wohl in die städtische Geschichte eingegangen ist, im wahrsten Sinne des Wortes durch die meterhoch eingeschneite Stadt stiefeln musste, um vorbildlich pünktlich zu diesem wichtigen (wenn auch für ihn unlieben) Termin zu erscheinen.

Oder meine damals junge Mutti, die einst bei Schneefall und trügerischem Glatteis mit unserem mausgrauen Trabi fast eine Treppe runtergerodelt wäre und dem zu Tode erschrockenen Rentner am Treppenansatz beinahe einen Herzinfarkt beschert hätte.

Im jugendlichen Leichtsinn habe ich mich als (bis heute) absolute Nicht-Skifahrerin sogar mal halsbrecherisch auf’s Snowboard gewagt. Und ich gebe zu: Nach einer eher abenteuerlichen Auffahrt mit diesem bescheuerten Skilift habe ich die Abfahrt doch ganz beträchtlich und ohne körperliche Schäden gemeistert.

Und wenn ich manchmal meine, dass hier in Italien schon bei den ersten Schneeflöckchen das Verkehrschaos ausbricht, dann denke ich schmunzelnd an meinen texanischen „Winter“ zurück: Am 13. Dezember 1998 (ja, auch dieses Datum ging wohl in die Lokalgeschichte ein) durften sich dort die sonst so sonnen-und wärmeverwöhnten Cowboys (Stil: Mit Shorts unterm Weihnachtsbaum) an diesem skurrilen weißen Zeugs erfreuen, was da so urplötzlich vom Himmel fiel. Im Nachhinein denke ich war es keine so clevere Idee, den Unterricht sofort zu unterbrechen und die 16-18jährigen Neuführerscheinlinge im Sammelpack nach Hause zu schicken. Das Chaos war vorprogrammiert!

Hach ja, so viele Erinnerungen verbinde ich mit diesem weißen Wunder! Die Magie des Winters holte diese und einige andere an diesem stillen Morgen gerne wieder hervor…

Als meine Kinder dann irgendwann im Halbdunkeln der noch kalten Wohnung in ihren Schlafanzügen und noch warm von der Nacht zu mir ans Fenster getappst kamen, bestaunten wir gemeinsam und in Stille diese weiße, zauberhafte Schönheit da draußen.

Leider konnte ich meinen Kindern an jenem Morgen nicht mit einem Schlitten oder gar Gleitschuhen (gibt es die heute noch?) dienen, und auch die Schneedecke reichte gerade mal aus, um die Wiesen und Gehwege mit einem hauchdünnen Schleier zu verzieren. Und dennoch fanden sie es wunderbar, mit ihren flauschigen Stiefeln den Schnee unter ihnen knirschen zu lassen und hier und da in einen frisch zusammengeschaufelten Schneehaufen zu hüpfen.
Nach den ersten schüchternen wahren Berührungen („Ist der aber kalt!“) flogen bald die ersten Schneebälle, und sogar ein kleiner „pupazzo di neve“ verziert nun stolz unseren Vorgarten.

img_7105

Glücklicherweise hat sich meine Befürchtung nicht bewahrheitet, denn auch heute, am Tag danach, dürfen wir uns noch immer an diesem weißen Wunder erfreuen-wenn auch in etwas spärlicherer Form. Es ist sicherlich nicht zu vergleichen mit den Bilderbuch-Wintern, an die ich mich so gerne erinnere, doch für die Kinder waren diese ersten Begegnungen mit einem für sie bisher unbekannten Naturschauspiel ganz sicher ein träumefüllendes Erlebnis.

Und auch ich werde jetzt nachts wieder ruhig schlafen können, nachdem ich für ein paar Stunden selbst wieder zum Kind werden durfte.

Advertisements

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. samybee sagt:

    Ganz wahrhaftig zauberhaft!

    Gefällt 1 Person

    1. Mäusemamma sagt:

      Danke Dir😘

      Gefällt mir

  2. Corinna sagt:

    Hier in Apulien sind sie dieses Mal total ausgeflippt, weil richtig viel Schnee runterkam. 🙂

    Gefällt mir

    1. Mäusemamma sagt:

      Hier schneit es für gewöhnlich schon ein paar Mal in den Wintermonaten, aber normalerweise in etwas höheren Gefilden…

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s