„Ein Cocktail an Bügelwäsche die Dame?“

Ich habe heute ein Date. Zu später Stunde werde ich mit meinem inneren Schweinehund einen Cocktail trinken gehen. Ne, ne, heute pfeife ich auf alkoholfrei und die Virgin-Version- heute Abend wird die Unvernunft siegen. Ich werde mich in mein knappes Schwarzes schmeißen, die verstaubten Stöckelschuhe aus dem Keller hervorkramen und den klopfenden, hämmernden und quengelnden Kindern an der Badezimmertür null Beachtung schenken, während ich mich darin einschließe, um meine Augenringe wegzuschminken und meine nicht vorhandenen Fingernägel amateurmässig in Farbe zu tauchen (man ist ja mittlerweile doch etwas aus der Übung!).

So, damit ist es raus. Ich bin heute mal ganz unverblümt und habe mir dreist und spontan (und theoretisch) vorgenommen, seit Ewigkeiten mal wieder- man vergebe mir die unzivilisierte Wortwahl- so richtig die Sau rauszulassen. Einen auf die Pauke zu hauen. Wobei der Begriff „wieder“ in diesem Zusammenhang etwas (ich korrigiere: sehr!) an den Haaren herbeigezogen ist, da ich mich wahrhaftig nicht daran erinnern kann, wann ich das letzte Mal so richtig die Korken knallen lassen habe.

Wenn man älter und Eltern wird und die schlumpfengrossen Sprösslinge den bis dahin recht strukturierten und relaxten Single- bzw. Pärchenalltag langsam aber gekonnt auf den Kopf stellen, verändert sich folglich auch ein Großteil der Prioritäten: Kopflosigkeit, Tageträumerei, Spontanität, romantische Kinoabende, heitere Dinner unter Freunden und verplemperte TV- Sonntage im Schlafanzug werden ausgetauscht durch ein stets wachsendes Gefühl der Verantwortung, gezeichnet durch schlaflose Nächte, kindgerechte Aktivitäten, gesunde Ernährung für alle usw. Ihr kennt das…

Und da mich sowieso eher in die Kategorie der Kopf- und Vernunftmenschen eingliedere, fällt es mir von Haus aus äußerst schwer, von der Rolle der fürsorglichen Mama, der gewissenhaften Hausfrau und der eifrigen Dazuverdienerin in die des hemmungslosen Partygirls in high heels zu schlüpfen.

Klar: Es geht ja gar nicht darum, als Ü30- Mutti wie ein pubertierender Teenie bis in die Puppen ungeniert feiern zu gehen, während der Papa daheim die Rolle des nächtlichen Babysitters übernimmt. Aber mal ehrlich: Geht Euch diese ewige Vernünftigkeit, die alltägliche Vorbildfunktion unserer Kinder gegenüber und dieser 24/7- Bereitschaftsdienst daheim nicht auch ab und auf den Keks? Verspürt Ihr nicht auch hier und wieder die Lust, Eurem inneren Schweinehund augenzwinkernd die Hand zu reichen und mit ihm zusammen-für ein paar Stunden- einen verschwörerischen Pakt mit dem Teufel zu schließen?

Hach ja- wie gerne würde ich mich abends einfach mal mit einem prallen Teller voll fettiger Pommes und einer GANZEN Tafel überzuckerter Schokolade (und damit meine ich nicht die Zartbittervariante!) auf die Couch schmeißen und mir dabei versunken und weltfern „Criminal Minds“ reinziehen- anstatt vernünftig und gesittet bei Tisch zu sitzen und vor einem Teller Gemüsesuppe und Vollkornbrot meinen Kindern ordnungsgemäß die Vorteile guter Manieren heraufzubeschwören. (Die Armen!) Und das nur als EIN bildhaftes Beispiel…

Gestern Abend habe ich vorbildlich gebügelt. Von Hemden, Tischdecken und Bettlaken war alles dabei. Alles fein säuberlich und faltenfrei geglättet. Wie es sich eben so gehört. Davor gab es eine Gemüsesuppe mit Vollkornbrot (wer hätte das gedacht?) und eine Gutenachtgeschichte für die frisch gebadeten Kleinen. Das gehört sich so. Das ist richtig so.

Doch während ich- geübt und routiniert- in meinem stillen, halbdunklen Kämmerchen das Bügeleisen schwang, entpuppte sich die ungeschmückte, beige Wand vor mir als soufflierendes Orakel (Ich meine, diese Erscheinung lag wohl am Dampf und an der Uhrzeit): „Du brauchst Musik!“ sprach es zu mir.

Oh! Du weises Orakel an meiner Wand, wie gut hast Du das erkannt!
Nach kurzem Überlegen und einigem Stöbern auf diversen Musikkanälen im Netz gewährte ich schließlich dem legendären Peter Maffay über meine überdimensional grossen Kopfhörer das Privileg, mir in dieser schwülen Bügelnacht musikalischen und philosophischen Beistand zu leisten. Und die Tatsache, dass er ja bekanntlich auch irgendwie tief in sich ein Kind geblieben ist, hat in mir urplötzlich- zwischen Pulli und Stoffserviette- ein Licht der Erleuchtung aufgehen lassen. Der Aha-Effekt ließ sogar mein Glätteisen verstummen:

Ja, ich bin zwar Mama, Ehefrau, Hausmütterchen und Jobbende, aber ebenso bin ich diese Frau Mitte 30, die im hitzigen Wortgefecht zwischen Engel links und Teufel rechts einfach mal die drei V’s sausen lassen will: Vorbild, Vernunft, Verantwortung. Welche nicht immer Lust hat, sich stets vor den Halbwüchsigen beim Gutenachtkuss für die Schokokrümel in den Mundwinkeln rechtfertigen zu müssen. Die beim Putzen und Bügeln gerne mal lautstark (und ohne diese lächerlichen Kopfhörer!) zur aktuellen Youtube-Hitliste mitträllern würde ohne Gefahr zu laufen, von allen Seiten schräg angesehen zu werden und womöglich die Kinder aus ihrem heiligen Mittagsschlaf zu wecken.

So ist das also. Mein intimer Bügelabend mit Peter hat mir demzufolge neue, unerwartete Sichtweisen eröffnet, welche ich vielleicht doch mal guten Gewissens in die Tat umsetzen sollte. Oder was meint Ihr? Soll ich mir die nächste Folge von CSI schon mal vormerken und mir in der Zwischenzeit ein kindersicheres Geheimversteck für meinen Schokivorrat ausdenken?

Allerdings gebe ich zu: Mein kleines, partywütiges Schweinehündchen habe ich heute vorerst allein auf die Piste geschickt; er wird wohl schon genüsslich an einem Strawberry Daiquiry nuckeln. Mein kleines Schwarzes habe ich erstmal an den (Tür)Nagel gehängt, und die Sache mit den Fingernägeln ist erwartungsgemäß eh nichts geworden- die Kinder mussten ganz dringend auf’s Klo. War ja logisch.

Und dennoch: Anstatt heute Abend traditionsgemäß den Schiedsrichter zu spielen zwischen meinen sich zankenden Sprösslingen, gebe ich dieses Ehrenamt dankend an meinen (vor Freude jubelnden!) Mann ab und entscheide mich lieber – bequem auf der Couch sitzend- zwischen einer niegelnagelneuen Tüte Gummibärchen und einem Glas eisgekühlten Baileys. Und morgen früh schlage ich dann nochmal richtig über die Stränge und kaufe mir heimlich, nachdem ich die Kinder pädagogisch wertvollen Händen anvertraut habe, beim Bäcker vor der Haustür ein dickes fettes kalorienhaltiges Schokocroissant. Oder auch zwei. Diese werden dann wohl das Highlight dieser Woche. Neben Peter versteht sich.

Dieser Artikel ist übrigens auch im Familybloggerzin erschienen! Schaut Euch doch diese tolle Ideen von zwei Bloggerkolleginnen mal an: Hier entlang!

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14 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jana sagt:

    Zum Glück wohne ich in Belgien. Da gehören Pommes zum Kulturerbe…also müssen die ab und zu mal gegessen werden, auch von Kindern 🙂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Hier könnte man diese problemlos mit Pizza, Focaccia und Eiscreme austauschen…Im Übrigen: Ist der Nachwuchs da😉? Viele Grüße!!

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  2. Corinna sagt:

    Ja, es ist ein Spagat, aber Du scheinst doch alles gut hinzubekommen, ohne Dir die Beine dabei auszurenken. 🙂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Naja, geht so. Ich halte mich schon relativ zurück und lasse wohl ziemlich oft die Vernunft siegen nach dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Blöderweise hört die Arbeit nie auf, so dass der Spaß immer irgendwie auf der Strecke bleibt…

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      1. Corinna sagt:

        Das stimmt schon.

        Aber ehrlich gesagt, macht es mir nur wenig aus. Vielleicht, weil unser Kleiner erst 15 Monate bei uns ist. In dieser Zeit waren wir einmal allein im Theater und einmal im Kino. Ich vermiss das alles gar nicht.

        Ich versuche, ganz kleine Auszeiten zu finden, z.B. vorhin mit einer Tasse Tee in der Sonne auf der Terrasse – mal 10 Minuten nur für mich (und die Katze). 🙂

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  3. Auch die metaphorische Sau verdient, selbst wenn sie nicht unter die Bestimmungen des Tierschutzes fällt, hin und wieder ein wenig Auslauf. Der muss ja nicht gleich grenzenlos sein – aber wenigstens eine gewisse Bewegungsfreiheit bieten. 🙂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Ja, Du hast wohl recht. Wir sind wohl etwas zu anständig und gesittet und sollten ab und an mal pfeifen auf das, was „sich eben so gehört“! Viele Grüße!

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      1. Das gilt wohl mehr oder weniger in allen Bereichen. Ich habe das beispielsweise auch öfters bei ultragesundheitsbewussten Menschen beobachtet: Immer gesund leben ist gar nicht gesund… 🙂

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      2. Mäusemamma sagt:

        Eben! Lieber das Leben genießen als unerfüllt sterben.

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      3. Wer auf die schönen Dinge verzichtet und dafür länger lebt, muss ja nur umso länger verzichten. Das ist ja echt kein guter Deal. 😉

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  4. Tja, als ich vor zwei Wochen mit meiner besten Freundin das letzte Mal feiern gehen wollte, landeten wir mit Jogginghose und selbstgemachten Cocktails auf der Couch und sprachen ber unsere Kinder/Männer. So spielt das Leben. 🙂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Hauptsache ist ja, dass es trotzdem Soass gemacht hat, oder? Ich vergnüge mich auch gleich noch mit ein paar Gummibärchen 😂😂

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