Unser italienischer Sommer – ein Fazit

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Habt Ihr auch im Netz diese witzigen Bilder gesehen, auf denen (durchaus sympathische😉) Eltern am ersten, lang ersehnten Schultag nach den unendlich scheinenden Sommerferien geniesserisch vor dem abfahrenden Schulbus mit einem Glas Sekt anstossen? Zur Feier des Tages sozusagen- oder des gesamten Jahres😉?! Manches Elternpaar macht regelrechte Luftsprünge der Freude a‘ la Matrix, während ihre ernüchterte Kinderbande, gezwängt in mausgraue Schuluniformen, mit Trauermiene neben ihnen steht wie bestellt und nicht abgeholt?

Ich gebe ja zu, dass ich bei der einen oder anderen Aufnahme schon schmunzeln musste, denn nur allzu gut kann ich diese befreienden Emotionen des spontanen Glückes😉 nachempfinden! Denn mal ehrlich: So toll und einzigartig und abwechslungsreich die Sommermonate mit den Kindern auch sind, sie bedeuten (für uns Eltern) genauso viel Anstrengung, Organisationstalent, einen äusserst dehnbaren Geduldsfaden und eine dicke Portion an Kreativität. Da rollt man am ersten Kita- oder Schultag nach den Ferien gerne mal den roten Teppich aus im Schulgebäude! Oder etwa nicht?

Die italienischen Sommerferien sind, im Vergleich zu anderen Ländern, relativ lang, so dass man um Regelfall mit Beginn der Grundschulzeit eine dreimonatige Auszeit überbrücken muss- eine enorme Herausforderung sowohl für berufstätige Eltern als auch für Hausfrauen. Ich glaube, beide Seiten haben es da gleichermassen schwer- das ist zumindest meine Meinung als Mama und Selbstständige, die ihren Job in den Sommermonaten aus verständlichen Gründen aufs Minimale reduzieren muss. Auch wenn ich mir im Gegenzug bewusst darüber bin, dass nicht alle Familien dieses Privileg haben, sich wochenlang fast nur auf die Kinder konzentrieren zu können, so wie es mir dieses Jahr möglich war…

Die Kinder selbst haben sich natürlich in den letzten Wochen auch verändert, sind gewachsen (und das nicht nur körperlich), haben neue Dinge erlebt, haben Menschen kennengelernt und fremde Orte besucht. Im Vergleich zum Rest des Jahres haben sie weitaus mehr Zeit verbringen können mit uns, mit dem jeweiligen Geschwisterkind und mit sich selbst. Rückblickend auf den Sommer, der sich nun offiziell dem Ende neigt, folgt nun mein Fazit der vergangenen Monate und ein Blick auf das, was unseren Familienalltag ausgemacht hat:

A wie Abstillen: Das war ein inoffizielles Ziel dieses Sommers und wir haben es erreicht- dank eines superschwülen Tages am Meer, an dem wir Beide (man könnte meinen in gegenseitigem Einverständnis😉) „Ade“ gesagt haben zu Mama’s Milchbar…

B wie Bügeln: Während ich anfangs noch wie gewohnt zu den skurilsten Uhrzeiten euphorisch das Bügeleisen schwang, so habe ich diese (un)geliebte Freizeitaktivität mittlerweile bis zum Ende der Sommerferien auf Eis gelegt. „Unironed“ heisst hier der neue Sommermodetrend!

C wie Chemnitzer Schulfreunde: Nach all den Jahren haben wir es doch tatsächlich geschafft, ein wirklich sympathisches und erfrischendes Treffen unter (mittlerweile alten…ähm…ich meine reifer gewordenen😉) Schulkameradinnen zu organisieren- natürlich Jede mit Kind und Kegel (und Mann). Multikulturell und mehrsprachig und wiederholungsbedürftig! Top!👍

D wie Durchhalten: Dieses Wort habe ich mir während manch kindlicher Trotzsituation, die sich gefühlt täglich auf haargenau dieselbe Weise und zu den selben Uhrzeiten wiederholte, stoisch im Stillen wiederholt. „Durchhalten, alles geht vorbei…“ Ohm🙏

E wie Eifersucht: „…ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“ Doch wie erklärt man das einem Vierjährigen?😱

F wie Freizeitaktivitäten: Obwohl ich mir zum Ferienbeginn schon allerhand Ideen gemacht hatte, wie ich die Tage mit den Kids abwechslungsreich gestalten kann, waren sie doch oft am Glücklichsten, wenn sie auf „ihrem“ Spielplatz buddeln, rutschen, schaukeln und mit Gleichaltrigen Ballspielen oder daheim malen oder einfach nur vor sich hin wurschteln durften. Man kann eben auch mit kleinen Sachen den Kindern eine Freude machen. Hat mal Jemand richtigerweise gesagt👌.

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G wie Geduldsfaden: Der wurde oft seeeeehr strapaziert und ist auch das eine oder andere Mal gerissen. Ihr kennt das…😉

H wie Haushalt: Tja, der liebe Haushalt, der macht sich ja bekanntlich nicht von alleine. Mit den stets um mich herumwuselnden Kindern, die sich aber mittlerweile auch ganz gut alleine beschäftigen, musste ich natürlich nach alternativen Formen der Chaosbewältigung suchen: Mal hier kurz putzen, da mal fix saugen, und nicht selten fand ich mich zu unmenschlichen, nächtlichen Zeiten die Wohnung wischend wieder…Life is life!😉

I wie Innehalten: Entschleunigen, einen Gang zurückschalten, geniessen- das habe ich mir für die Ferienzeit zur Aufgabe gemacht. Lieber mal weniger machen sondern mehr leben, gerade jetzt, wo die Kinder noch klein sind. Klingt schnulzig, ist es aber wert!

J wie Jahresurlaub: Abgehakt. Zu kurz? Zu lang? Zu stressig? Von allem etwas. Einige Blogartikel sind vor, während und nach der Urlaubszeit entstanden: Poolympics oder Der Aktivurlaub der AnderenWie schafft man Kindheitserinnerungen?Zeitreise gen Süden und zu guter letzt Familientheater oder Alle unter einem Dach. Gerne dürft Ihr in ihnen stöbern!

K wie Kochen: Mann nenne mich „Mamma Miracoli“😉! Ob ihr es glaubt oder nicht gehört das Kochen zu einer meiner hausfräulichen Prioritäten- gerade jetzt im Sommer, da wir so gut wie alle Mahlzeiten gemeinsam einnehmen. Zum Einen, weil ich mir für mein Allergikerkind alle Gerichte separat zubereiten muss, zum Anderen, weil für mich eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung für die ganze Familie schlichtweg wichtig ist. Hier gibt es also täglich zwei warme Mahlzeiten „alla italiana“ 🍝🍅🧀. Wer will was?

L wie Laufen: Mein Ventil. Zeit für mich zum abschalten, auspowern, entspannen. Gerne auch abends, wenn die Kinder schlafen und die Strassen schon menschenleer sind!

M wie Melancholie: Die kommt mir ehrlich gesagt beim Gedanken an das Ende des Sommers schon auf. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen sehe ich dem immer näher kommenden Alltag entgegen. Irgendwie hat man sich ja doch daran gewöhnt, dass früh nicht immer der Wecker klingelt, dass man trödeln und spontan sein kann mit den Kids und dass man (aufgrund temporär niedergelegtem Job) den Kopf frei hat für ihre Bedürfnisse. (P.S. Ich habe gerne mal beim Mittagsschlaf Gesellschaft geleistet😉😉😉!)

N wie Nachtruhe: Die hat sich seit dem Abstillen und dem Umzug der Kleinen in das nun gemeinsame Kinderzimmer für die ganze Familie gebessert! „Durchschlafen“ heisst nach vier langen Jahren das neugewonnene Familienzauberwort- besonders zur Freude meiner Wenigkeit!

O wie Olympia: War ein willkommenes TV-Ereignis, welches wir vereint als Familie ab und an leidenschaftlich mitverfolgten. Sport als Erfahrung, als eine didaktisch wertvolle Lektion für die Kleinen: Für etwas kämpfen, die Zähne zusammen beissen, sich selbst motivieren, ein Ziel verfolgen. Meiner Meinung nach immer noch „gesünder“ als so mancher Trickfilm.

P wie Papi: Der Papi hatte es nicht immer leicht, denn sein Homeoffice (sprich unser Wohnzimmer) existierte in den letzten Monaten eigentlich nur noch auf dem Papier. Vom Geräuschpegel mal abgesehen: Dauernd stürzte Jemand rein, wollte etwas oder fand Papa’s PC spannender als jedes Spielzeug. Ich glaube, der Papi macht sich zum Schulanfang auch erstmal aufatmend ein Bierchen auf!🍻

Q wie Quasselstrippe: Alias unser Sohn 😱😉. Ist das nur unser Phänomen oder reden, singen, summen, quasseln, erzählen, fragen, wiederholen…😱…alle Vierjährigen soviel??? Bin offen für einen anonymen Elternkreis😉😉😉!

R wie Radfahren: Eine unserer bevorzugten, fast alltäglichen Beschäftigungen- sei es, um Erledigungen schneller zu machen, um zum Spielplatz zu fahren oder zu Viert eine abendliche Eisessrunde zu drehen. 🚲🚲🚲

S wie Spielgefährten: Diese fehlten vor allem unserem Grossen, doch gab beiden Kindern die Gelegenheit, sich gemeinsam zu beschäftigen und sich so als Bruder und Schwester näher kennenzulernen- in all ihren Facetten. Von innigen Umarmungen bis hin zu lauthalsigen Zankereien gab es alles auf der Kinderbühne. Zum Glück- so muss es sein!

T wie Tiere: Die werden angehimmelt von unserer Kleinen. Egal ob es winzige Ameisen, schlüpfrige Schnecken, süsse Kaninchen, struppige Hunde oder majestätische Pferde sind- alle werden mal fasziniert, mal ehrfürchtig, in jedem Fall mit viel Neugier beobachtet.🐜🐴🐮🐷🐱

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U wie Ungewissheit: Ein leichtes, aber dennoch präsentes Gefühl der Ungewissheit hat mich dennoch in unserem „Kindersommer“ begleitet- welcher eben jobmässig für mich relativ beschränkt war, da meine Hauptaufgabe nun mal die Kinderbetreuung darstellte. Wie werde ich beruflich in Zukunft weitermachen? Werde ich einen Schritt weiter in die Selbständigkeit wagen oder doch lieber eine neue, familiengerechte Festanstellung anstreben? Diese Frage bleibt offen, wird aber hoffentlich zur rechten Zeit eine Antwort finden…

V wie Vorsätze: Die Liste der Vorsätze für diesen Sommer war lang- in meinem Kopf. Ich wollte die bevorstehende Zeit so positiv wie möglich erleben- mit mir selbst, mit den Kindern, mit der Familie. Wohlwissend, dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen sein würde, wenn wir alle auf engem Raum die meiste Zeit des Tages verbringen. Ohne echtes Ventil. Denn… (Man gehe über zum nächsten Punkt:)

W wie Wohnung: Unsere Wohnung erschien mir gerade in diesem Sommer oft als viel zu klein: Die Kinder brauchten Spielraum, mein Mann Platz und Ruhe zum konzentrierten Arbeit, ich freie Momente, um den Haushalt zu schmeissen. Ich gebe zu: Zu einem kleinen Garten hätte ich nicht“ Nein“ gesagt!🌺

X wie X-mal sagen: Kennt Ihr das, wenn die Kids auf Durchzug schalten? Links rein, rechts wieder raus? Und man selbst jegliche Aufforderung zum gefühlt 250ten Mal runterleiert- jedoch ohne Erfolg? Brauche wohl dazu keine nähere Erläuterung😉!

Y wie Yeah: Thema Zweisprachigkeit. Bei uns immer noch ein heikles Thema. Doch ich bin erstaunt, wie schnell die Kids doch Neues aufschnappen und sich einprägen- wie z.B. einen englischen Song, den wir uns öfters anschauten und selbst die Kinder irgendwann mitträllerten. Yeah!!🎤

Z wie Zufriedenheit: DAS Wort zum Sommerende! Wenn ich auf die letzten Wochen zurückblicke, kann ich (trotz allem) sagen, dass ich zufrieden bin! Mit dem, was wir erlebt haben, mit dem, was wir nicht erlebt haben, sondern im Zeichen eines kindgerechten, routinierten Alltags einfach vom Programm gestrichen haben, mit den vielen wunderbaren positiven Dingen, welche die langen Sommerferien aus den beiden Kids hervorgezaubert haben. 😍

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In diesem Sinne wünsche ich auch Euch ein gutes Ende des Sommers, auf den ihr hoffentlich gerne zurückblickt!☀️

 

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Corinna sagt:

    Ich kann dieses ABC sehr gut nachvollziehen und erkenne mein Leben in vielen Punkten wieder. Bei mir beginnt heute nach einem freien Monat wieder das Arbeitsleben, aber da die Italiener mit ihrem Bedürfnis Deutsch zu lernen meist erst Ende September so richtig in die Puschen kommen, geht es langsam los.

    Daher schwebe ich auch gerade in einer Sommerendemelancholie. Es waren superschöne Wochen mit Davide. Ich habe richtig gemerkt, wie er sich entwickelt und fast jeden Tag etwas sicher wurde, z.B. kann er jetzt laufen und ganz hervorragend Besen über die Terrasse schleppen. Bei unserem Besuch der Großeltern in Deutschland wurde deutlich, dass er auch Deutsch problemlos versteht, selbst wenn er noch nicht spricht. So viel zur Zweisprachigkeit. Einfach weitermachen und durchhalten. 🙂

    Ich hoffe, du findest beruflich das, was du suchst. Ich bin mit meiner unsicheren Selbständigkeit noch zufrieden, weil ich das Gefühl habe, dass Zeit mit Davide jetzt wichtiger ist, als Geld zu verdienen. Wahrscheinlich werde ich eher im Winter wieder von früh bis abends aus dem Haus sein. *grusel* Von daher hoffe ich, dass das, was ich als sommerliches Wetter empfinde, noch bis mindestens Mitte Oktober anhält.

    Viele Grüße in den Norden! Corinna

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    1. Mäusemamma sagt:

      Liebe Corinna! Vielen Dank für Deinen Kommentar und gleichzeitig einen guten Start ins neue Arbeitsjahr! Ich bin auch gerade etwas hin- und hergerissen zwischen Sommersehnsucht und Alltagsvorfreude; derzeit überwiegt dann doch noch das Erstere. Ich bin diesen Sommer auch etwas konsequenter mit dem Deutsch sprechen gewesen, wenn auch noch nicht wie gewünscht. Si va a piccoli passi… Alles Gute für Dich und Euch! Viele Grüsse!! Claudia

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      1. Corinna sagt:

        Mir ist es sehr leicht gefallen, als ich nur mit meinem Sohn bei meinen Eltern in Deutschland war. Da gab’s dann keinen Grund, Italienisch zu sprechen. 😉

        Auf den nächsten Sommer!!! Ich freu‘ mich jetzt schon. 😉

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  2. Mäusemamma sagt:

    Ja, ich denke, wenn die Kinder etwas grösser sind, werde ich auch mal länger nur mit ihnen nach Deutschland fahren. Was hälst Du persönlich eigentlich von den langen Schulferien hier in Italien?

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  3. ulbarb sagt:

    darf ich auf die frage nach den langen schulferien hier antworten? ich hassliebe sie, so wie viele andere eltern auch. einige vorteile, viele nachteile und viel zu viele hausaufgaben, wenn die kids in die schule gehen!

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