Poolympics oder Der Aktivurlaub der Anderen

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Wir waren im Urlaub. Also das heisst, wir waren weg. Mit den Kindern. Eigentlich bräuchten wir demzufolge jetzt eine Woche Erholung ohne das Schlumpfendouble, um uns die flöten gegangen Energiereserven zurückzuholen. Denn so knutschig eine gemeinsame Familienfreizeit auch ist, sie schlaucht auch ungemein. Und selbst wenn ich mit diesen unbequemen Klappstrandliegen längerfristig nichts anfangen kann, so gönnte ich mir doch ab und zu während des Mittagsschlafes der Kleinen einen Abstecher an den Feriendorf-Pool. Denn mal ehrlich: Wann kommt man schon mal wieder in den Genuss eines paradiesischen Planschbeckens direkt vor der Nase?

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Ich hatte da also unerwarteterweise die einzigartige Gelegenheit, dem Exklusiv-Event der Poolympischen Ferienspiele beizuwohnen, die hier wohl- so meine Schlussfolgerung- jährlich in den Sommermonaten live ausgetragen werden. Anders kann ich mir die rege Beteiligung nicht erklären.

Ich gebe zu: Als Neuling auf dem Gebiet musste ich diesen Cup der Nationen erst einmal ein paar Tage aus nächster Nähe beäugen, um mich in der Mannschaftsaufteilung zurechtzufinden: Klar war auf jeden Fall die Einteilung nach Altersklassen und Herkunftsgebieten:

Während sich die UnderTeenie- Liga als grenzüberschreitend homogen zeigte und sich stundenlang und erstaunend unermüdlich den Wasserwettkämpfen in Form von Ballweitwurf, Ausdauerschnorcheln und Luftmatratzenpaddeln widmete, säumte sich der ringförmige Badewasserrand mit- auf den ersten Blick- relativ schwer differenzierbaren Teilnehmerteams. Eine Vielzahl an mehr oder weniger leicht bekleideten Wettkampfteilnehmern zeigte sich mehr oder weniger sportlich bereit für den internationalen Austausch…

Ziemlich schnell konnte meine Wenigkeit zunächst die Dickbauchfraktion herauskristallisieren, deren physische Attribute ich nicht gänzlich übersehen konnte. Wohlwollend grunzend robbten die massigen Mannschaftsmitglieder, vor allem männlicher Herkunft, in die für sie reservierten Startboxen. Ausgangspunkt waren die knallbunten Sonnenschirme -deren Funktion als Schattenspender sie übrigens einwandfrei übernahmen- um sich folglich in ihren Top- Disziplinen zu beweisen. Ganz vorne dran das Liegestuhlplattsitzen, um diese wacker und so lange wie möglich vor den konkurrierenden Teams zu verteidigen. Die begleitenden Damen der Schöpfung waren der konstanten Aufrechterhaltung der Energiereserven bedacht und sorgten für umgehenden Erdinger- Nachschub, sobald eine verräterische Schweissperle zu erkennen war. Einheitlich Unisex-Bodyfarbe hier: von elegant blass bis knallrot.

Das Team der Sixpackler hingegen, vornehmlich bestehend aus schokoladigen, südländischen Muskelpaketen, mass sich in eher körperbetonten Bodybuilding-Disziplinen, für die fraglos eine kräftezerrende monatelange Vorbereitung notwendig gewesen sein musste. Offensichtliches Erkennungsmerkmal dieser dem fraulichen Auge wohltuenden Machomannschaft waren die knackigen Badehosen und die obligatorischen Sonnenbrillen, welche die cool nach hinten gegelten Kopfpartien krönten. Weniger explizit erkennbar war ihre ausgeführte Disziplin- ich vermute mal, es ging um konzentriertes Figurstehen. Sexy Schweissperlen waren hier- im Vergleich zur Bierbauchliga- toleriert bis hin zu ausdrücklich erwünscht- vor allem von der rege tätigen Poolwatchpresse, die den Wettkampf live verfolgte und darauf bedacht war, die besten Szenen pressetauglich abzulichten.

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Als Alternativsport zum Speerwurf wurde bei der diesjährigen Olympiade das sogenannte Sperrtragen eingeführt, dessen Ziel darin bestand, den Mitkonkurrenten (und zum Teil auch den Zuschauern) so verbissen und voluminös wie möglich jeglichen Zugang zum Pool und schon allein dessen Einzugsbereich zu versperren. Die Liste der zugelassenen Sportgeräte in dieser Newcomer-Disziplin beinhaltete aufgeblasene Schwimmunterlagen in Form von Wassertieren, bunte Riesennudeln, bis zum Umfallen beladene Kinderwagen sowie kiloschwere Strandbeutel. Diese Disziplin erwies sich im Nachhinein als nicht wiederholenswert, da der Aspekt des „fair plays“ von den ehrgeizigen teilnehmenden Teams nicht immer eingehalten wurde und die eine oder andere Disqualifikation ausgesprochen werden musste.

Stets im Schattenbereich hielt sich das Team der Nordlichter auf, rigoros erkennbar an unscheinbaren, bequem liegenden T-Shirts, alternativ dazu karierten Kurzarmhemden, risikofrei kombiniert mit unauffälligen beigefarbenen Shorts und Riesen-Aussie-Hüten, welche wohl dazu gedacht waren, die mozzarellafarbene Haut auch so wieder mit nach Hause zu nehmen. Diese sockentragenden Sandalenwikinger erwiesen sich als die stillen Betrachter im Hintergrund, die hin und wieder, mehr oder weniger euphorisch, ihr Bekenntnis zu dem einen oder anderen Team zu erkennen gaben. Ich glaube, insgeheim sympathisierten sie mit den Bierbäuchigen.

Gänzlich unbeeindruckt vom durchaus aktiven Geschehen im und am Becken zeigte sich hingegen das Team Daumenfreuden, welches sich je nach Belieben und Geschick im gesamten Wettkampfbereich verteilt mit den eher geistigen Aktivitäten beschäftigte: Sportliches Smartphonescrollen war dabei bei den Youngsters die Disziplin schlechthin, übergehend in klassisches Kreuzworträtsellösen, weit verbreitet unter den älteren Cupteilnehmern, und gefolgt von konzentriertem Klatschpresseblättern- dies wiederum in allen möglichen Sprachen und generationsübergreifend. Ich schliesse daraus, dass klassische Gesellschaftsspiel- Disziplinen von anno dazumal wohl mittlerweile out sind. Uno, Menschärgeredichnicht, Mikado und Riesenschach- das war mal. In Zeiten, in denen es noch keine Pools gab.

Natürlich musste bei all dieser sportlichen Betätigung auf höchstem Niveau auch für die Fresskörperkultur gesorgt sein: In unmittelbarer Nähe der Wettkampfarena sorgte eine extra für die Sportler eingerichtete Imbissstation für die notwendigen poolinarischen Pausen. Rund um die Uhr standen die Wettkämpfler hier sportlich Schlange, um sich vorrätig mit gesunder, leichter Kost einzudecken. Für das leibliche Wohl sorgten frittierte Kartoffeln, Fleischburger, Tiefkühlwaren und kohlensäurehaltige Getränke. Zu Top-Preisen versteht sich.

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Tja, leider wird es mir vergönnt bleiben, die Poolympics bis zum Ende zu verfolgen- denn diese ziehen sich wohl noch über die kommenden Wochen hin, mit wechselnden Teilnehmerteams und dennoch gleichbleibenden Disziplinen. Doch ich habe genug gesehen.

Der Ausdauer-Pluspunkt der ersten, von mir verfolgten Wettkampftage ging im Übrigen an die Speckbäuchigen, die es doch tatsächlich geschafft haben, die erste Runde der Poolympics unbeweglich von ihrer Kampfposition aus zu verfolgen. Auch die sexy Schokoguys haben in all den Wettkampftagen eine ausgesprochen gute Figur abgegeben, und wenn sie nicht geschmolzen sind, dann stehen sie noch heute. Lediglich die Nordlichter bereiteten mir bei unserer Abreise etwas sorgen: Ob sie wohl in ihrem Sockengewand der Hitze standgehalten haben?

Während ich die diesjährige Olympiade lediglich als passive Zuschauerin verfolgte, habe ich doch schon ernsthaft den einen oder anderen Gedanken daran verschwendet, im nächsten Jahr selbst an diesen Outdoor-Spielen teilzunehmen. Über die Disziplin bin ich mir allerdings noch etwas unschlüssig: Was meint Ihr? Würde Cocktails(chl)ürfen zu mir passen? Oder doch eher Schwimm-Ringen?

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Corinna sagt:

    *lol* Wenn überhaupt dann Cocktailschlürfen.

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  2. Sehr lebendig und amüsant-wortspielerisch beschrieben. Herzlichen Dank für den Ausflug in eine mir bisher gänzlich unbekannte Welt. 🙂

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  3. Mäusemamma sagt:

    Danke Euch für Euer Feedback!!

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  4. Elena sagt:

    *kicher*

    LG Elena

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