Sprachbarrieren oder die verzwickte zwiespältige Zweisprachigkeit

Während meiner Arbeit traf ich kürzlich auf eine italienisch-französische Familie, die ich während ihres Besuches in unserer Stadt durch eines der Museen führen durfte. Mutter gebürtige Italienerin, Vater Franzose, drei Kinder im Vor- und Grundschulalter, wohnhaft an der Cote d’Azur. Mit von der Partie war ausserdem der italienische „Onkel“.

Als deutsche Mama von zwei (zugegeben mehr südländischen als deutschen) Kindern sprich bambini, die sich im Hinblick auf bilinguale Erziehung zurecht als komplette Rabenmutter definiert, wandert mein Blick bei derartigen Familienkonstellationen natürlich immer zuerst zu den Kindern: Ob sie wohl beide Sprachen der Eltern sprechen oder zumindest verstehen? Ich konnte meine Neugierde nicht verstecken und fragte während eines kurzen small talks mal vorsichtig nach, wie es denn bei ihnen in der Familie mit der Zweisprachigkeit so klappte. Antwort: Super! Mama spricht italienisch mit den Kindern, der Papa versteht es auch, in Schule und im Umfeld geht gewollt die französische Sprache vor. Da sie mehrmals pro Jahr die Verwandtschaft mütterlicherseits besuchen, wird daheim fleissig Mama’s Muttersprache geübt, italienische Bücher gelesen und Trickfilme geschaut. Und tatsächlich: Die drei kleinen Wonneproppen konnten sich fliessend und fast fehlerfrei, wenn auch mit einem sympathischen Akzent alla francese, in der italienischen Sprache ausdrücken und jonglierten sogar mit eher ungewohnten, nicht alltäglichen Begriffen. Wer sagt schon jeden Tag Betonmischer oder Dachboden?

Ich war natürlich hin und weg und sah über mir schon die Wolke der Schadenfreude schweben. Auf meinen Ausstoss der Bewunderung („Oh wie toll, dass ihre Kinder beide Sprachen verstehen!“) und die schmerzende Peitsche auf meinem Gewissen („Bei meinen Kinder will das einfach nicht klappen!“) erhielt ich die erschütternde, weil doch so wahre Antwort: „Ja, da sind aber nur SIE Schuld dran!“  Dass sass!

Da hatte ich wieder mal den Salat! Hätte mir in jenem Moment jemand eine Schaufel gereicht, wäre ich doch glatt dazu übergegangen, mir ein tiefes Loch zum Versinken in den Erdboden zu graben! Wieder so eine tolle kleine Familie, denen es scheinbar spielend gelungen ist, ihren Kindern mit etwas Konsequenz und Durchhaltevermögen das Geschenk der Zweisprachigkeit zu vermitteln.

Warum fällt mir das bloss so elende schwer? Bin ich denn die einzige Mutter in einer interkulturellen Beziehung, die unfähig dazu ist, ihrem eigenen Fleisch und Blut die eigene Muttersprache zu übermitteln?

DIE GUTEN VORSÄTZE

Ja, die waren durchaus da- anfangs jedenfalls. Unterstützend half mir bei meinem- aus heutiger Sicht herausforderndem -Vorhaben immer ganz gut die Redensart „Etwas in die Wiege gelegt zu bekommen“. Denn wenn man etwas von Geburt an lernt, dann bleibt es einem ein Leben lang erhalten. Logisch. Deshalb hatte ich auch seit Anfang meiner Mamazeit die felsenfeste, überzeugte Absicht, meinen Kindern auch die deutsche Sprache beizubringen. Auch weil ich persönlich fasziniert bin von Fremdsprachen und ich diese Leidenschaft auch irgendwie meinen Kleinen vermitteln wollte. So schwer konnte das doch nicht sein. Oder doch?

Ich gebe zu: Diese Sache mit der Zweisprachigkeit stellte sich für mich als komplizierter und komplexer heraus, als ich während kinderloser Zeiten blauäugig angenommen hatte. Während der ersten Monate gelang es mir noch relativ gut, mein kleines, bis dahin noch eher passives Baby mit deutschen Vokabeln zu bespassen. Gemeinsam schauten wir vorbildlich deutsche Kinderbücher an, ab und zu sangen im Hintergrund Kids auf CD „Alle Vögel sind schon da“ und viele andere Liedchen aus meiner Kinderzeit.  Ich versuchte demzufolge, in unseren Alltag zu zweit, also während der Abwesenheit des Papas tagsüber, spielerisch und möglichst ungezwungen so viel wie möglich deutsche Wörter und Redewendungen einzubauen. Auch wenn mir das zugegeben damals schon enorm schwer fiel!

DER EINBRUCH und DIE AUSREDEN (?)

Als unser Kleiner dann fast ein Jahr alt war, begann ich meine Weiterbildung zur Fremdenführerin. Konkret bedeutete das für mich: Eine Unmenge an Lernstoff auf italienisch bewältigen, obligatorische abendliche Lehreinheiten besuchen und an field trips am Wochenende teilnehmen. Folge: Unser kleiner Nachwuchs musste sich mit weniger Exklusivzeit mit seiner Mama begnügen, die erschwerend dazu noch abstrakt-verschnöselte italienische Vokabeln zur Kunsthistorik, der Savoyergeschichte und aus dem Weintourismus im Sinn hatte. Also nix mit Brummbrumm und Tatütata und Wuffwuff (und natürlich auch richtigen Worten😉😉) aus dem Kinderbuch. Und mit der Eingewöhnung in der Kinderkrippe ein paar Monate später wurde unser Kleiner dann komplett in das wortgewandte italienische Sozialleben hineingeworfen und somit halbtags aus dem bis dahin begrenzten Einzugsbereich der deutschen Sprache seitens Mama entzogen…und so begann der langsame, aber stetige sprachliche Einbruch…

MEINE ITALIENISCHE REISE- SUCHE DES WARUM

Da ich schon immer einen Faible für Fremdsprachen hatte, stellten diese auch in meinem bisherigen beruflichen Leben, welches eigentlich von Anfang an hier in Italien stattfand, einen bedeutenden Teil dar. Privat dagegen beschränkte sich meine Sprachanwendung auf das Italienische: Mein Umfeld war und ist hauptsächlich italienisch, ich kenne so gut wie niemanden in meiner näheren Umgebung, der deutschstämmig ist, meine Eltern leben in Deutschland, und trotz regelmässigem Kontaktes reicht dieser nicht aus, um sie wahrhaftig an der sprachlichen Erziehung unserer Kinder teilhaben zu lassen. Mein Mann spricht neben seiner Muttersprache zwar noch etwas portugiesisch und beherrscht fliessend den lokalen Dialekt, doch an Deutsch hat er sich nie rangetraut- es fehlt auch irgendwie die Zeit und die Motivation. Und natürlich liebe ich die bunten Möglichkeiten, die man in der italienischen Sprache hat, um sich auszudrücken (gegebenfalls auch mit dem ganzen Körper😉), seine Emotionen zu zeigen, wunderbar kreativ sein zu können beim spielerischen Wortjonglieren! Herrlich diese Luftigkeit alla italiana!!

Ausserdem war eine der ersten Grundsätze, die ich bei jedem meiner Auslandsaufenthalte sofort vermittelt bekam, so schnell und gut wie möglich die jeweilige Landessprache zu erlernen, denn einzig und allein eine barrierefreie Verständigung ermöglicht das wirkliche Einleben in eine andere Kultur. Somit wurde die deutsche Sprache schon so oft von mir in die unterste Schublade gesteckt…

Seit 15 Jahren ist Italien also mein Zuhause, und ich verzichte hiermit bewusst auf den Zusatz „zweites“, denn ich vermisse hier nichts. Meine Muttersprache kommt mir heute vor allem in Begleitung deutscher Touristen zugute, und ich verewige sie natürlich auch äusserst gerne in geschriebener Form auf diesem Blog. Doch ich merke auch, dass mir das korrekte Sprechen immer schwerer fällt und mir oft die Spontanität, das Fliessende fehlt. Es kommt vor, dass mir manche Vokabeln nicht im richtigen Moment einfallen oder ich themenspezifische Begriffe in einigen Bereichen schlichtweg nicht kenne! Ich finde es manchmal wirklich unglaublich anstrengend, längere Zeit auf deutsch zu kommunizieren und die richtigen Ausdrucksformen in meiner „Wiegensprache“ zu finden. Ich bin deshalb auch absoluter Vertreter der Meinung, dass man in einem anderen kulturellen und vor allem sprachlichen Umfeld auch andere Wesenszüge annimmt, wie es verschiedene Studien auf diesem Sektor beweisen…

Aber zurück zum Thema…die (bilingualen?) Kinder:

DER ZWEITE STREICH…

Mittlerweile hat sich Kind Nummer 1 (welcher übrigens für sein Alter erstaunlich gut, fehlerfrei und wortkreativ die italienische Sprache beherrscht) verdoppelt und sein Schwesterchen bereichert seit anderthalb Jahren unsere Familie. Italienischer könnte sie wohl nicht sein: Die sich langsam formenden Charakterzüge haben etwas von einer dieser lebhaft gestikulierenden Sizilianerinnen, die genau wissen, was sie wollen und es zugleich faustdick hinter den Ohren haben. Hätte sie nicht diese engelshaften, goldenen Loeckchen, bestünde kein Zweifel an ihrer südländischen Herkunft. Und ich gebe zu: Italienische sprechende Kinder finde ich heute wie damals zuckersüss! Wer hätte gedacht, dass meine Eigenen mal richtig kleine Italiener werden?

Doch trotz alledem: Dieses Mal wollte ich mich nicht wieder von allen möglichen Alltagssituationen und dem äusseren Anschein einer süssen kleinen Italienierin überrumpeln lassen, sondern entschlossen meinen deutschen Ehrgeiz hervorholen, die guten Vorsätze wieder auffrischen und die zweite Gelegenheit beim Schopfe packen, um wenigstens bei Kind Nr. 2, die ja noch in dem perfekten Alter für ein relativ unkompliziertes Erlernen einer Zweitsprache war und noch ist, nicht den Deutschvokabel-Zug zu verpassen.

Also ging ich wie bei Kind 1 nach dem besagten Schema vor: Möglichst viele deutsche Ausdrücke in unseren Alltag einbauen, wiederholen, konsequent bleiben, Kind 1 durch das Zuhören mit einbeziehen, motivieren, Neugier erwecken.

Doch Fehlanzeige! Denn ich hatte nicht mit eingerechnet, dass sich Kind Nr. 1 inzwischen vehement dagegen sträubte, bei mir diese unverständliche, grottig klingende Sprache durchgehen zu lassen. „Mamma! Non capisco! Non mi parlare in tedesco!“ hiess es jedesmal verärgert, wenn ich mich dazu aufraffte, eine zeitlang konsequent nur deutsch zu sprechen. Das ganze auf 24-Stunden-Basis zu betreiben- ja das hatte ich sowieso schon längst abgeschrieben! Von gemeinsamem Buchlesen oder Trickfilme schauen ganz zu schweigen – man versteht ja nichts!

Somit war ich wieder bei Punkt Null angekommen und sah meine hart erkämpfte Motivation stetig schwinden: Kind Nr. 1 stellte auf stur, ich musste mich sowieso schon förmlich zwingen, Ausdauerdeutsch zu sprechen, mein Mann blieb sprachlich eh aussen vor und Kind Nr.2 nahm gerne unwählerisch dankend alles auf, was ihr präsentiert wurde. Wie sollten wir also rauskommen aus dem Loch der Einsprachigkeit? Oder mussten wir das überhaupt?

ICH RABENMAMA

Da unser eigener Sprachsalat noch nicht reichte, gaben noch fleissig Aussenstehende ihren ungewollten Senf dazu: Ganz sensibel reagier(t)e ich mittlerweile auf die zahlreichen, ungläubigen Kommentare, wenn ich auf die Frage, ob ich mit meinen Kindern denn deutsch sprechen würde, als erste Reaktion kopfschüttelnd und verschämt den Blick senk(t)e. Asche auf mein Mutterhaupt!

„Waaaas? Du sprichst NICHT deutsch mit den Kindern???“ „Denk doch mal nach, wie gut sie es später haben könnten mit zwei Sprachen!“ – “ Das MUSST du aber machen, sie werden dir dafür danken, wenn sie gross sind!“ – „Könnte ich noch eine andere Sprache, ich würde sie meinen Kindern SOFORT beibringen!“

Ja, und ich wünschte mir manchmal, dass ich keine andere Sprache könnte, dann wäre ich raus aus diesem verzwickten Dilemma. Hätte man nicht eine Sprache für die ganze Welt erfinden können? Uffa!!!

Aber mal ehrlich, ein bisschen haben sie ja schon recht, all diese Mütter, die mir meinen Mangel an Konsequenz so unverblümt unter die Nase reiben und mir indirekt vorwerfen, meinen Kindern etwas Wertvolles vorzuenthalten. Dazu noch Etwas, was sie ganz spielerisch und ohne grosse Anstrengung in sich aufsaugen könnten, wenn sie nur Jemanden hätten, der ihnen dabei behilflich wäre.

Mir ist durchaus bewusst, das es einzig und allein in meinen Händen liegt, doch noch das Runder herumzureissen und meine Inkonsequenz (?), Bequemlichkeit (?), meine Schwäche (?), meine Antriebslosigkeit (?) in sprachlicher Hinsicht zu überwinden und meinen Kindern die Möglichkeit zu geben, eine kleine Zusatzgabe mit in ihre Zukunft zu nehmen.

Ich gebe zu: das Wiederauffrischen des Sprechens der deutschen Sprache mit meinen Kindern stellt für mich so etwas wie eine Entwöhnung von meiner mittlerweile fest verwurzelten „Italianität“ (ich habe wohl hiermit gerade ein neues Wort erfunden!) dar. Es bedeutet für mich, eben den lebendigen Teil meiner Muttersprache aus der Schublade hervorzuholen und für und mit meinen Kindern quasi diesen Schritt „zurück“ zu gehen- so fühlt es sich jedenfalls für mich an.

LOSLASSEN UND VERTRAUEN HABEN

Vielleicht mangelte es ja neben all den anderen Ausreden Gründen, die mitverantwortlich sind für meine bisheriges Scheitern in der bilingualen Erziehung, auch schlichtweg an den Glauben an die Fähigkeiten meiner Kinder. Vielleicht habe ich ihnen bis jetzt nicht hundertprozentig zugetraut, dass sie tatsächlich im Stande sind, in ihrem zarten Alter zwei Sprachwelten in sich aufzunehmen, einzuordnen und zu „verwalten“. Welche spannenden, mysteriösen Rätsel uns die menschliche Natur doch aufgibt! Ich wäre bereit für eine neue challenge!

Und ich glaube, auch meine Eltern wären sicher dankbar, wenn sie bei unseren gelegentlichen Zusammenkommen mit etwas mehr als nur mit Händen und Füssen und somit unumständlicher mit ihren kleinen Enkeln kommunizieren und ihnen somit ein Stückchen ihrer Welt offenbaren könnten. Sicherlich würde es auch mir als Mama bei diesen seltenen, familiären Gelegenheiten mal gut tun, meine Kinder getrost in „fremde“ Hände zu geben und Vertrauen in ihreeben auch sprachlichen!- Fähigkeiten zu haben.

Vielleicht sollte ich mich also noch einmal selbst herausfordern und mich dieser nicht allzu einfachen linguistischen Aufgabe stellen. Auch wenn das für mich selbst einen Schritt in etwas vergessene, verstaubte Sphären bedeutet…

Ich denke, das bin ich vor allem meinen Kindern und meiner Familie schuldig.

 

 

 

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13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Es mag schon eine gewisse Herausforderung sein, das Ganze stimmig unter einen Hut zu bringen. Vor allem kann ich das Rückschritts-Gefühl sehr gut nachvollziehen. Wenn man sich im neuen Sprachraum beheimatet hat, kann das sprachliche Kindheitserbe leicht das Gefühl erwecken, mit einem Bein in der Vergangenheit festzuhängen. Mit den Kindern deutsch zu sprechen kann sich da leicht ‚unecht‘ anfühlen – eher so, als würde man eine Rolle spielen.

    Anderseits lässt man ja eine einmal gelernte Sprache ungern verrotten. Und von dieser Warte aus wirkt es wieder ganz natürlich, die Kinder am vorhandenen deutschen Wort-Schatz teilhaben zu lassen. Und das in der frühen Kindheit Gelernte wird auf eine Art und Weise verinnerlicht, die mit dem Wissenserwerb in späteren Jahren nicht vergleichbar ist. Eine gewisse Hürde wird der Widerstand des älteren Kindes sein. Das hat sich nun bereits daran gewöhnt dass die Mama eben italienisch spricht. Aber ich denke mal, das dürfte kein unüberwindliches Problem sein.

    Die deutsche Sprache ließe sich ja als eine Schatzkiste ansehen. Die Mama hat diese aus der Kindheit mitgebracht – und die kann man nun gemeinsam erkunden. Mit so einem Gedanken im Hinterkopf ließe sich die Sache vielleicht stimmig arrangieren. 🙂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Danke für Deinen tollen Kommentar! Ich teile Deine Ansichten und ich empfinde das Deutsch-Sprechen tatsächlich oft als eine Reise in die Vergangenheit, die ich wirklich manchmal als fremd empfinde. Aber die Idee mit der Schatzkiste finde ich klasse; ich muss mir etwas einfallen lassen, um auch den Grossen zu fesseln und seine Neugier anzustupsen. In letzter Zeit hat er auch ein klein wenig interessierter zu uns herübergeschlunzt, wenn ich mal wieder „so nebenbei“ deutsch gesprochen habe😉. Danke Dir nochmals und viele Grüsse!

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      1. Gerne. 🙂 Es ist ja durchaus denkbar, dass der Große mit der Zeit schon deshalb mitmacht, weil er ja ungern außen vor bleiben möchte. Vor allem dann nicht, wenn die Sache in Spiel und Spaß ‚ausartet‘. Und auch wenn es heute allerhand ‚hochwissenschaftliche‘ pädagogische Ratschläge gibt, wie man zweisprachige Erziehung anzupacken habe – meine Beobachtungen zeigen, dass man das Ganze nicht zu eng sehen sollte. Die Beteiligten müssen sich dabei wohl fühlen – das ist wichtig. Ich habe immer den Verdacht, dass die ‚guten Ratschläge‘ vor allem vor einem leistungsgesellschaftlichen Hintergrund formuliert wurden. Im Italienischen wird Sprache und Zunge ja mit dem selben Wort benannt. Und ich meine, genau darum geht’s in erster Linie: Dass die Kinder eine sinnliche Erfahrung dessen haben, was es bedeutet, in verschiedenen Zungen zu sprechen. Eine spielerische Unbefangenheit kann hier sehr wertvoll sein. Denn gerade im schulischen Spracherwerb läuft es ja oft so, dass die Leute zwar die ganze Theorie rauf und runter Beherrschen – aber im praktischen Alltag den Schnabel nicht aufkriegen.

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  2. Corinna sagt:

    Ehrlich. Es tut sooo gut, diesen Beitrag zu lesen! Ich habe mich auch schon dabei ertappt, wie mir manche alltägliche Phrasen meinem Sohn gegenüber auf Italienisch rausrutschen statt auf Deutsch. Wo ich doch nie Zweifel hatte, dass ich mit ihm immer Deutsch sprechen würde, damit er diese schwierige Sprache gleich mit der Muttermilch aufsaugen und mit seiner deutschen Verwandtschaft sprechen kann! Vor allem, wenn wir mit anderen, die auch bei uns eigentlich immer Italiener sind, zusammen sind, dann komme ich mir komisch vor, wenn ich mit Davide Deutsch rede. Das hat so etwas von „Heimlichkeit“.

    Aber Dein Beitrag motiviert mich auch sehr, trotzdem dabei zu bleiben. Gut zu wissen, dass ich nicht allein diese Schwierigkeiten habe, aber ich will es unbedingt durchziehen. Auch weil ich meinem Kind ermöglichen will, das Land seiner späteren Zukunft ganz leicht selbst wählen zu können.

    Bei uns werden also zum Frühstück weiterhin Traumzauberbaum-und ähnliche CDs mitlaufen. Und ich freue mich schon darauf, ihm meine Lieblingskinderbücher vorzulesen, die ich beim letzten Deutschlandbesuch vom Boden geholt und mitgebracht habe. …und bilinguale Kinderbücher stehen bei uns auch schon im Schrank.

    Ich drück‘ Dir die Daumen, dass es mit Deiner Tochter besser läuft. Vielleicht kannst Du Deinen Sohn damit locken, dass ihr dann eine „Geheimsprache“ haben werdet, die bei euch kaum ein Anderer versteht. 😉

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  3. Mäusemamma sagt:

    Hallihallo und vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Es baut mich unheimlich auf, dass es auch anderen ähnlich geht wie mir! Aber Hut ab: Wie es scheint, klappt bei Dir unterm Strich die zweisprachige Erziehung doch recht gut! Ich bin auch kein Freund von „Heimlichkeit“, auch wenn dieser nur von aussen betrachtet zu existieren scheint. Im Grossen und Ganzen begrenzt sich meine „Deutschzeit“ im Moment auf den privaten Bereich, d.h. wenn ich allein mit den Kindern bin. Zugegeben habe ich ein kleines Problem, sie in der Öffentlichkeit mit deutsch zu „überschütten“, denn oft komme ich mir dann „angeberisch“ oder eben von meinen Kindern selbt unverstanden vor…Na mal sehen, wie es in Zukunft mit der „Geheimsprache aus der Schatzkiste“klappt! Dir ebenfalls viel Erfolg dabei!!!

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    1. Corinna sagt:

      Wir sind ja erst im 10. Monat. Da kann ich noch gar nicht sagen, ob es auch langfristig klappen wird… oder wie ich damit umgehen werde, wenn er sich irgendwann verweigert. Dass es passieren kann, habe ich auch schon von einer britisch-italienischen Familie gehört. An den Punkt kommt also vielleicht sogar jeder.

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  4. Mäusemamma sagt:

    Liebe Random Randomsen! Du hast es auf den Punkt getroffen: vielleicht mache ich mich deshalb in der Sprachbeziehung so verrückt, weil es mir von meiner kommentierenden Aussenwelt so suggeriert wird. Deinen Gedanke zur „Leistungsgesellschaft“ übernehme ich deshalb voll und ganz- nach dem Motto: “ Je mehr wir den Kindern von kleinauf beibringen, desto besser werden sie es später mal haben.“ In unsere leistungsorientierten Gesellschaft!! Aber ist das denn alles, was zählt?? Sie sollen sich wohlfühlen beim Lernen und alle Mitbeteiligten inklusive mir, das hast Du toll formuliert. Ohne ihnen dieses sprachliche Erbe vorenhalten zu wollen, möchte ich dennoch den spielerischen, nicht den erzieherischen Aspekt in den Vordergrund rücken. Wenn sie dann selbst erwachsen sind, können sie dann entscheiden, was sie mit diesem Erbgut anstellen wollen…

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  5. Ich oute mich mal als konsequent immer nur deutsch mit den Kindern redende Mama, egal ob es die Umgebung versteht oder nicht. Das bringt in Frankreich häufig Unverständnis (die Schwiegermutter hatte dem Schwiegervater noch verboten in seiner Muttersprache (Regionale Sprache) mit seinen Kindern zu sprechen, damit die Kinder ja das Hochfranzösisch lernen… Mir war klar, das es harte Arbeit ist, meinen Kindern meine Sprache mitzugeben, als Nichtumgebungssprache, aber es liegt nur an einem selbst. Ich hätte es fürchterlich gefunden, mit meinen Kindern nicht in meiner Sprache reden zu können, auch für meine Familie. Ich denke, es hängt davon ab, wie sehr man für Land und Sprache des Partners schwärmt. Diejenigen Eltern, die ich kenne und die schon immer für Frankreich geschwärmt haben, haben keine bilingualen Kinder, im Gensatz zu denen, die nur „zufällig“ hier gelandet sind.
    Liebe Grüsse
    Mara

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    1. Mäusemamma sagt:

      Ich finde Dein Durchhaltevermögen trotz Unverständnis aus Deinem Umfeld bemerkenswert! Bei mir ist es eben genau umgedreht: die Leute drängen mich quasi dazu, meine Kinder bilingual aufwachsen zu lassen und rügen mich insgeheim für meine Unkonsequenz. Ich glaube wie Du, dass es sehr damit zusammenhängt, wie man sich selbst im „fremden“ Land fühlt- zu Hause oder eher nicht. Ohne damit natürlich auf Deine persönliche Situation Rückschlüsse ziehen zu wollen, die ich ja gar nicht kenne. Aber trotzdem nochmal „chapeau“ vor Deiner Entscheidung- ich hätte gerne Dein Durchhaltevermögen trotz favorisierender Unwelt! Viele Grüsse! Claudia

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  6. ulbarb sagt:

    nur ein paar wenige worte von mir: auch mir geht es nicht viel anders. aber rede mit deinen kindern in deiner sprache. situation in meiner familie: ich rede auf deutsch, die kinder antworten mir auf italienisch. aber der sohn plaudert mal ganz gerne mir mir und lernt deutsch an der oberschule, die mittlere tochter liest und die kleine will manchmal eine privatstunde. im netz gib’t so tolle sachen, schau mal nach!

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    1. Mäusemamma sagt:

      Ja Du hast wohl recht, das Durchhalten macht’s! Es klappt schon etwas besser als vor ein paar Monaten, und die Kids haben schon ein paar neue Vokalbeln drauf; sogar der Grosse fragt manchmal, wass denn das eine oder andere Wort heisst- trotzdem ist das ganze noch arg verbesserungsdürftig. Danke für Dein feedback!!

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      1. ulbarb sagt:

        Gut so! Und einen keinen Gruss!

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