„Wer ohne Sünde ist…

am

…der werfe den ersten Stein!“

Ganz untypisch für mich eröffne ich diesen Blogbeitrag heute mal mit einem Klassiker unter den Bibelversen, der wohl auch für Religionsmuffel nicht gänzlich neu sein mag. Keinesfalls aber soll es mir mit diesen Zeilen darum gehen, zum Moralapostel zu mutieren oder etwa nach dem Punktesystem Heiligenscheine zu vergeben oder zu entziehen. Nein, ganz im Gegenteil…

Nein, ich möchte mir heute mal bewusst darüber Gedanken machen, wie mein eigenes Verhalten im lieben langen Alltag an vielen Stellen verbesserungsbedürftig ist. Immer nur auf die anderen zu schauen- das ist ja zu einfach! Auch ich habe wohl etliche Leichen im Keller…

Positiv denken, tolerant sein, respektvoll miteinander umgehen, Mitgefühl zeigen, leben und leben lassen- das sind nur einige der lobenswerten Eigenschaften, die wohl Jeder irgendwo in der Schublade der „Guten Vorsätze“ parat hält.

Ich gebe zu- meine ersticken leider oftmals vergessen, verstaubt und verdreckt unter dem Gewühl der sorgenbehafteten Alltagsklamotten- denjenigen, die einem den Blick versperren vor diesen tugendhaften Eigenschaften, von denen man sagt, sie seien das wahre Salz in der Suppe des Lebens…

Okay, das mag jetzt alles etwas kitschig, fake, theatralisch und überzogen klingen. Aber mal ehrlich: Ich weiss ja nicht, wie es bei Euch so ist, aber ich überrasche mich selbst erschreckenderweise relativ häufig damit, dass ich mir die Tage von zum Teil dümmlichen und vollkommen nebensächlichen Gedankengut vermiesen lasse und ich damit automatisch den „negativ“-Stempel verteile. (Gerne blogge ich als Konsequenz dann- stöbert doch mal bei mir rum auf der Suche nach Rant- Blogartikeln!)  Und warum das? Weil ich mich über irgendetwas Banales aufrege, mich ärgere, mirnichtdirnichts über meine Mitmenschen urteile, mit dem Finger auf sie und ihr vermeintlich „falsches“ Verhalten zeige und mir bei all dem die gute Laune verderben lasse. Muss das sein? Könnte ich dem mit etwas mehr Toleranz und Verständnis gegenüber gewissen Alltagssituationen Abhilfe schaffen? Und würde mir etwas mehr objektive Selbstkritik helfen, nicht alles Übel immer nur bei den anderen zu suchen?

Der Klassiker unter den nervtötenden Momenten im Alltag, die auch mich (als Frau) schwer auf die Geduldsprobe stellen, spielt sich häufig hinter dem Steuer ab: Der Hit sind definitiv die grauköpfigen  montagmorgigen Sonntagsfahrer, die einen, gerade rechtzeitig aus der Nebenstraße kommend, dreist und ungestört ausbremsen und durch ihren alternativen Fahrstil null Chance auf ein rettendes Überholmanöver lassen. Erst letztens durfte ich mich einer solchen Situation erfreuen, eben gerade da, als ich eh schon viel zu spät dran war und auf Verkehrsschnecken liebend gern verzichtet hätte. Was kreisten mir da während der 20minütigem Autofahrt in den Nachbarort nicht alles für böse Gedanken im Kopf rum, und wieviele davon kamen über meine Lippen!! Und merkt Ihr was? Selbst beim Schreiben kann ich nicht meine unnötige, zu nichts führende Verärgerung aussen vor lassen…

Etliche weitere Situation fallen mir beim bewussten Rückblick auf den Tag ein…

…und ebenso viele negative und urteilende Gedanken, die mir von morgens bis abends durch den Kopf schießen! Und wieviele davon sind einfach nur unnütz! Viele entstehen wohl deswegen, weil ich in gewissen Momenten selbst gestresst bin, eben heute morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden oder müde bin, mir über irgendetwas Sorgen mache, ich zu sehr auf mich selbst fixiert bin. Und wieviele davon urteilen über ein von mir vorgefertigtes und womöglich komplett falsches Bild meiner Mitmenschen! Würde ich stattdessen die Zeit und Energie nutzen, um vor meiner eigenen Tür den Dreck wegzukehren, hätte nicht nur ich, sondern auch meine Mitmenschen etwas davon.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“

Natürlich gibt es auch allerlei Situationen, die für mich absolut unakzeptabel sind und immer bleiben werden. Einfach, weil sie schlichtweg falsch, unangemessen, ungezogen oder gar illegal sind. Da hat meine Toleranz einfach keinen Spielraum: Die Zigarettenstümmel auf dem Spielplatz, gerade eben live beseitigt von einem umherstehenden Elternteil. Hundekacke auf dem Gehweg. Rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr. Null Respekt vor älteren, hilfsbedürftigen, kranken Menschen. Beleidigende, angreifende, tief verletzende Worte.

Doch wenn ich ehrlich bin und meine tagtäglichen Aktionen genau unter die Lupe nehmen, könnte ich wohl richtig dicke Romane schreiben über all die Momente, in denen ICH mich unfair, respektlos, ungerecht oder auch mal gemein verhalte. Geht es Euch nicht auch so?

Meine Ungeduld mit den Kindern. Mein Hang zum Perfektionismus, mit dem ich besonders meine Familie stresse. Der böse Gedanke über die Mama in der Kita, die ihren hippeligen Sohn nicht im Griff hat. (Mal ehrlich, wie oft geht es mir ebenso- warum also urteilen?) Die Schimpfwörter, die auch mir ab und an im Beisein der Kids über die Lippen kommen. Meine Eile im Alltag, mit der ich nach dem Ellenbogenprinzip und egozentrisch nur die Dinge im Blick habe, die mit MIR zu tun haben. Mein abfälliges Urteilen über den „grauköpfigen Sonntagsfahrer“. Wie bitte schön fahre ich denn? Und überhaupt: WER bin ich denn bitteschön, um über die anderen zu urteilen?

Gerade eben rügte ich noch innerlich meinen Mann für seine „ungenierte“ Angewohnheit, sich in unserer extrem hellhörigen Wohnung während des Mittagsschlafes der Kinder immer so lauthals auf seinen quietschenden Bürostuhl plumpsen zu lassen und diesen Akt in kürzester Zeit zig-Mal zu wiederholen, da fiel mir doch, ojemine!, vor lauter Unachtsamkeit in der Küche (in unserer extrem hellhörigen Wohnung wohlbemerkt!) ein Glasteller zu Boden…!!!

Meine Mutter pflegt stets scherzhaft zu sagen: „Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort!“…War das nun jetzt die gerechte Strafe für meine negativen Gedanken?

In diesem Sinne will ich es hiermit mir zur festen Aufgabe machen, mir selbst öfters mal die Ohren lang zu ziehen. Und zwar in den Momenten, in denen mein Verhalten, meine Gedanken, mein instinktives Handeln genau das verkörpern, was ich bei anderen verurteile. Vor allem meinen Kindern gegenüber bin ich ihnen das schuldig, um ihnen in der Rolle des Vorbildes tatsächlich vorzuleben, was Toleranz, Respekt, achtsames Miteinander, aber auch Selbstkritik und Objektivität bedeuten. Denn wer sich selbst Fehler eingestehen kann, ohne diese immer nur bei den anderen zu suchen, der ist auf dem guten Weg, das Salz in der Suppe zu finden…

Bin ja mal gespannt, wie ich morgen mit zwei Kleinkindern im Gepäck die geplante Autofahrt meistere. Zur Deckung setze ich mir vielleicht einfach einen Hut auf…Hupkonzert ist dann wohl vorprogrammiert!

 

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr schöner und facettenreicher Beitrag über ein Thema, das uns wirklich alle betrifft. Oft können Kleinigkeiten einen dazu bringen, dass man am liebsten ein paar Früchte vom Watschenbaum verteilen möchte. 😉 Die von dir angesprochene Rolle des Vorbildes finde ich sehr wichtig. Natürlich den eigenen Kindern gegenüber. Denn wenn Ermahnungen in eine Richtung weisen und das Verhalten in eine völlig andere, wird schnell klar, welcher der beiden Richtungen die Kinder folgen. Vorbild aber auch gegenüber anderen Menschen. Und mir fällt in diesem Zusammenhang auch ein Bibelspruch ein (obwohl das nicht unbedingt mein ‚Revier’ ist): Richtet nicht… Negative und urteilende Gedanken hegen wir ja meist nicht nur anderen, sondern auch uns selbst gegenüber. Es ist eine schlechte ‚Grundgewohnheit’ – und ich denke, wenn man an der Toleranz gegenüber anderen Menschen arbeitet, wird man auch sich selber und sein eigenes Tun gelassener betrachten. Bestimmt nicht zum eigenen Nachteil. 🙂

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  2. Mäusemamma sagt:

    Danke für Deinen Kommentar!! Ich glaube, ich als bekennende Perfektionistin stelle oft sehr hohe Ansprüche an mich selbst und verlange dies eben unbewusst oft auch von den anderen. Und das führt natürlich auch ab und an zu Intoleranz, verurteilenden Gedanken etc. Ich glaube, dass man wohl bei einem selbst beginnen muss, manche Dinge gelassener zu sehen, so dass man auch seine Mitmenschen mit anderen Augen betrachtet- und nicht umgekehrt. Und da die Kinder eh alles wie Schwämme aufsaugen, ist die Vorbildfunktion sehr wichtig, wie ich finde! Übrigens immer wieder interessant Dein Blog! Was hälst Du denn von Sprichwörtern, Redewendungen und deren Herkunft? Finde ich ja faszinierend und habe vor, mal irgendwas/ irgendwann darüber zu schreiben… Viele Grüsse!

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    1. Perfektionismus finde ich ja grundsätzlich sehr positiv. Aber ich denke, es braucht ein Gegengewicht. Manchmal ist es besser, den Dingen einfach (zumindest bis zu einem gewissen Grad) ihren Lauf zu lassen. Erstens, weil manche Details nun auch nicht so furchtbar wichtig sind. Und zweitens, weil man Dinge, die im Fluss sind, manchmal am besten einfach laufen lässt.
      In meinen Blog-Anfangszeiten hatte ich sogar eine eigene Kategorie für Redewendungen reserviert. Das ist dann aber alles in die Kategorie ‚Rederei’ übergegangen. Das Thema hat ja sprachliche und kulturelle Aspekte. Viele Redensarten hängen ja eng mit dem Lebensraum zusammen, in dem sie entstanden sind. So gibt es etwa in Norwegen viele maritime Wendungen. Jedenfalls ein Thema, dem ich mich bestimmt in künftigen Beitragen widmen werde. Und über das ich auf jeden Fall auch gerne lesen würde. 🙂

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  3. Corinna sagt:

    Dazu kann ich nur sagen, dass Italien mich liberalisiert hat. Vor allem, was das Autofahren betrifft. Ich bin total abgestumpft und ärgere mich kaum noch darüber wie anderen fahren, rasen, schleichen…

    Es ist vielleicht ganz gut, dass Italienisch nicht meine Muttersprache ist. Schon aus diesem Grund denke ich häufig länger über etwas nach, bevor ich es sage… vor allem, wenn es komplizierter wird – eine Beschwerde zum Beispiel. Manches hat sich dann schon relativiert, wenn ich weiß, wie ich es formulieren würde. *lol*

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  4. Mäusemamma sagt:

    Bei mir ist es eher umgedreht…manchmal kommt die Sizilianerin in mir durch😜!!Und wortgewandter bin ich mittlerweile im Italienischen auch! Mit meinen Kindern schimpfe ich grundsätzlich auf italienisch, da wirke ich überzeugender😉

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  5. Corinna sagt:

    Ja, also ich könnte schon auch mehr, aber ich kontrolliere im Italienischen irgendwie stärker, was ich sage… nicht weil ich es nicht sagen kann, aber ich formuliere vorsichtiger. Und manchmal merke ich dann im Prozess der vorsichtigen Formulierung, wie es eigentlich gar nicht Wert ist, ausgesprochen zu werden. Aber ich bin auch innerlich keine Sizilianerin, sondern eher Kopfmensch mit gelegentlichen emotionalen Ausrutschern. 😉

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