„Liebe Kinderkrippenbetreuerinnen…

…aus gegebenem Anlass möchte ich Euch heute mal ein paar ehrliche Dankesworte zukommen lassen. Vor ein paar Tagen erfuhr ich nämlich zufällig durch einen Bericht in der Lokalzeitung, dass Ihr seit einigen Monaten keine Lohnzahlungen mehr erhalten habt. Natürlich wussten wir Eltern gar nichts davon, denn professionell wie Ihr seid ist in den letzten Wochen nie was davon zu uns durchgedrungen. Und dabei gehe ich mal stark davon aus, dass es für Euch sicherlich besorgniserregende und schwierige Wochen waren und noch immer sind.

Als ich von diesem Missstand erfuhr, wusste ich gar nicht wohin mit meiner tiefen Enttäuschung, um nicht zu sagen mit meinem Zorn! Mein erster Gedanke galt zunächst auch gar nicht unbedingt unseren Allerkleinsten, die Eure wunderschöne Krippe bis zum Eintritt ins Kindergartenalter besuchen dürfen, sondern vor allem Euch, liebe Betreuerinnen! Wie kann es sein, dass Ihr für das, was Ihr tagtäglich zur Unterstützung unserer Familien leistet, nicht vertragsgemäss und fristgerecht entlohnt werdet?

Dass die Zahlungsmoral hier in Italien manchmal zu wünschen übrig lässt, ja….das ist wohl keine Neuigkeit. Doch sollte man meinen, dass eine im sozialen Bereich tätige Kooperative auch die sozialen Aspekte der Arbeit in den Vordergrund rückt. Und dazu gehört eben auch eine angemessene und pünktliche Bezahlung -wie ich finde….

Der Zeitungsbericht erschien am selben Tag Eurer Faschingsfeier, die Ihr schon seit Monaten organisiert, geplant und vorbereitet hattet. Die Kinder waren schon seit Tagen ganz aufgeregt! Sogar die niedlichen Bienchen-/Panda-/Marienkäfer und Spielkarten-Kostüme für die Kleinen habt Ihr aufwendig selber hergestellt- ich frage mich nur, wann Ihr das noch geschafft habt? Als Ihr da mit den Kids ausgiebig getanzt, gesungen und Konfetti geschmissen und uns Eltern und Geschwisterkindern immer wieder Kuchen und Getränke angeboten habt, bemerkte man nichts von Eurer Zerrissenheit. Im Gegenteil: Professionell wie immer habt ihr es trotzdem geschafft, gute Laune, Spass an Eurer Arbeit und echtes Interesse an den Kindern und deren Wohlergehen zu zeigen.

Noch immer bin ich wütend über diesen Zustand und die prekäre Situation, in der Ihr Euch unverschuldeterweise befindet. Ich bekam am letzten Kitatag vor Karneval, also am Morgen nach der Feier und dem besagten Zeitungsbericht, schon fast ein schlechtes Gewissen, als ich unsere Kleine morgens zu Euch brachte. Gerade kümmert Ihr Euch ganz umsonst und doch so selbstverständlich wie eh und je um unsere Sprösslinge; vielleicht hätte ich Euch heute ein wenig entlasten können, wenn ich unser Krippenkind daheim behalten hätte?

Doch das ist nicht der entscheidende Punkt. Es geht vor allem um die Würdigung Eurer anstrengenden und noblen Arbeit, nämlich um die alltägliche, geduldige Betreuung unserer Allerkleinsten. Hier werden bereits Säuglinge ab 3 Monaten babygerecht und mit viel Liebe, bei Bedarf auch rund um die Uhr, betreut, gepflegt, gefüttert, gewickelt, getröstet, beschäftigt, geliebt. Ihr unterstützt die Einjährigen bei ihren ersten Autonomieversuchen und werdet bestimmt schon manche Essensschleuder und einige spontane Wutanfälle abbekommen haben. Ganz zu schweigen von den 2-3jährigen, für die Ihr Euch immer so tolle und kreative Aktivitäten einfallen lasst und die Euch, trotzalledem, menschliche Wesen bestimmt auch ab und zu an die Grenzen Eurer Geduld bringen. Ich denke nur an die ersten daneben gegangenen Töpfchenversuche oder an noch „Schlimmeres“. Und dann dieser Lärmpegel….Ne! Tauschen möchte ich mit Euch nicht, ganz ehrlich.

Wir kommen gerne zu Euch; schon immer.  Als wir damals, vor zweieinhalb Jahren, das erste Mal mit unserem damals 16 Monate alten Mäusesohn mit der Eingewöhnungsphase begannen, haben wir bei Euch so manche Ängste hinterlassen: Ui, ein hochallergisches Kind, dazu mit starker Neurodermitis und der stetigen Gefahr von allergischen Reaktionen. Doch Ihr habt uns immer ein beruhigendes Gefühl gegeben: Die Köchin hielt sich stets an den strengen Diätplan unserer Ärztin und wir tauschten uns regelmässig über Veränderungen aus. Und Ihr Betreuerinnen hattet immer ein Auge auf ihn, damit er ja nichts nascht vom Nachbarteller. Sogar einzelne Spielaktivitäten habt ihr speziell auf uns ausgerichtet, damit auch unsere Maus, oft mit verbunden Neurodermitishänden erscheinend, der Arme, mitmachen konnte und sich nicht ausgeschlossen fühlte. Euch liegt einfach immer das Beste für die Kinder am Herzen- und das sieht man!

Jetzt, wenn ich zweieinhalb Jahre später, unsere kleine Räubertochter zu Euch bringe, werden wir, wie damals schon, stets aufs Wärmste empfangen. Jede Einzelne von Euch strahlt, auf eigene Art und Weise, eine derartige Herzlichkeit und unglaubliche Vertrauenswürdigkeit aus, dass ich meine Kleine guten Gewissens ein paar Stunden in Eurer Obhut lasse. Euch liegt es auch sehr am Herzen, immer in direktem Kontakt mit uns Eltern zu stehen, uns über Fortschritte, Ängste, Schwierigkeiten, aber auch alltägliche Anekdoten und niedliche Begebenheiten auf dem Laufenden zu halten. Keine Frage unsererseits ist Euch zu viel.

Wenn es mir nun wieder in den Sinn kommt, dass Ihr all das gerade…für NICHTS tut, werde ich wütend. Ihr könntet jetzt dagegen halten, dass Ihr Eure Arbeit aus Freude macht und sie womöglich als Berufung empfindet, und dass Ihr solche Probleme nicht auf dem Rücken der Kinder oder der Eltern austragen möchtet. Dass der beste Lohn das Wohl und das zufriedene Lachen „Eurer“ Kinder ist. Und dass Ihr optimistisch seid und auf eine Lösung hofft.

Ja, auf die hoffe ich auch, denn ich finde es einfach mies, vergebt mir den Ausdruck, dass Eure eh schon oft unterbewertete Arbeit auf diese Weise noch mehr an Bedeutung verliert- und dies absolut nicht verdient hat! Für Eure tägliche Geduld, die Energie, die Leidenschaft und das Engagement, das Ihr auch über die geregelten Arbeitszeiten hinaus in Euren Job steckt, habt Ihr nicht nur ein Bienchen verdient, sondern zur Stärkung erstmal ein paar Gläser Honig und vor allem: ein + auf Eurem Kontoauszug.“

Sollte also die finanzielle Sache nicht bald in Ordnung gebracht werden (ich halte mich da auf dem Laufenden, das ist sicher!), dann werde ich irgendwann persönlich mit meinen beiden Kids bei den Verantwortlichen einrücken und dann mal schauen, wie die sich machen als….Babysitter…! Wäre doch mal was: „Ich dachte ich streike jetzt mal. Also ich meine, ich wollte die armen Kinderkrippenerzieherinnen mal einen Tag entlasten und fand spontan die Idee gut, IHNEN meine beiden Kids heute mal zu überlassen. Macht Ihnen doch nichts aus, oder?“

 

 

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