Später mal…

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In den vergangenen Tagen erzählten mir zwei (ebenfalls kleine Kinder habende) Freundinnen, dass sie den Gedanken einer Eigentumswohnung bzw. eines eigenen kleinen Häuschens nach etwas „Denkpause“ wieder in Erwägung gezogen haben. Daraus könnt ihr Leser schließen, dass das Thema „Eigentum“ sowohl unter uns Mädels als auch in unserer Familie in Vergangenheit schon mehrmals als „draft“ auf dem Tisch lag- dieser bei uns jedoch jedes Mal wieder auf Eis gelegt wurde.

Dazu muss ich sagen, dass ein möglicher Haus-oder Wohnungskauf weder einen der ersten Plätzen auf unserer Prioritätenliste einnimmt, und auch nur indirekter, beispielhafter Gegenstand dieses Beitrages sein soll. Dennoch möchte ich dieses Stichwort nutzen, da ich von ihm zum Nachdenken angeregt wurde in Hinsicht auf…unsere Zukunftspläne, Träume, Wünsche.

Habt ihr auch manchmal dieses Gefühl, einige Dinge auf der langen Bank vor euch herzuschieben und nicht vorwärts zu kommen mit euren Plänen? Ertappt ihr euch auch dabei, manche eurer Vorhaben auf „SPÄTER MAL“ zu verschieben?

Ich persönlich habe schon ab und an das Empfinden, in einigen (Familien)Sachverhalten auf der Stelle zu treten. Nichts richtig gebacken zu kriegen und immer nur reden, planen, diskutieren, tüfteln…aber irgendwie ohne eine Umsetzung ins Konkrete – zumindest nicht erkennbar in naher Zukunft.

Das Ganze ist auch meinem Charakter geschuldet: Ich brauche handfeste Tatsachen. Bei mir müssen Worten Taten folgen, und die am liebsten gleich und sofort und ohne große Umwege. „SPÄTER MAL…“ zählt für mich nur halb. Ohne viel Drumherumreden und Verzögerung muss es gehen. Ich glaube, diesen Wesenszug habe ich von meinem Vati geerbt: Geduld und Beharrlichkeit sind nicht unbedingt unsere Stärken. Deshalb handeln wir gerne auch mal aus Instinkt oder einer puren Laune heraus. Nicht immer konstruktiv dieses allesmusssofortumgesetztwerden, koste es, was es wolle…

Mein Mann hingegen ist da schon anders gebaut: eher nachdenklich (Wenn ich ihn frage, woran er denn gerade mal wieder grübelt, kommt als Antwort: „Solange ich nachdenke, brauchst du dir keine Sorgen zu machen.“), eher vorsichtig, langfristig planend, gerne auch mal mittendrin umdenkend- zu meiner Überraschung und manchmal auch Entsetzen. Planänderungen stehe ich nämlich eher skeptisch gegenüber. Ein alles in allem bodenständiger Typ also, der keinen Schritt geht, ohne sich diesem auch hundertprozentig bewusst zu sein. „SPÄTER MAL…“ ist für ihn ein Versprechen.

Die Bilanz unserer Paarkonstellation sieht demzufolge so aus:

Er denkt- ich handle. Jedoch nicht immer, wie er dachte.

Ich mache, schaffe, tue- er denkt. Was er wie, wann und überhaupt machen, schaffen, tun soll.

Kann ich am Abend nicht getrost auf den langen Tag zurückblicken und sagen, das und das und das geschafft zu haben, bin ich nicht zufrieden.

Hatte er nicht genügend Zeit und Raum zum Planen, Entwerfen, Ideen zusammentragen gefunden, ist sein Tag für ihn eher unproduktiv gewesen.

Für ihn bin ich oft…zu überhastig handelnd. Für mich ist er oft…zu überlegt untätig (ist nicht negativ gemeint).

Fazit: Bei Plänen, Projekten und Vorhaben, welche unsere kleine Familie angehen, treffen meine „IchwürdegernejetztsofortdieseVeränderung“ – Einstellung auf sein „Lassunsdasmalgenaubesprechenunddurchdenken“-Prinzip. Nicht selten hat das bei mir zur Folge, dass sich bei für mich besonders wichtigen Themen eben dieses stumme Gefühl einschleicht, irgendwie keine Nägel mit Köpfen zu machen. Nichts gebacken zu kriegen.

Klar brauchen manche Dinge Zeit, müssen vorbereitet, gut durchdacht, vielleicht auch abgewägt oder gar wieder verworfen werden. Unser natürlicher Menschenverstand schaltet dann auf „sicher gehen“. Und das ist gut und richtig so. In anderen Fällen hingegen – muss man das Schicksal am Schopf packen und „dasjetztgenautun“, sonst ist der Traum vorbei.

Ok. Auf der einen Seite bin/wäre ich gerne eine treue Verfechterin des Hier-und-Jetzt-Lebens. Ich versuche das auch ganz fest, ehrlich: Den Alltag in seiner oft unscheinbaren Schlichtheit zu schätzen, die kleinen positiven Erlebnisse zu würdigen, gedanklich nicht abzuschweifen und Tagträumen zu entfliehen. Aber mal ehrlich: Darf ich denn deswegen keine Träume und Wünsche und gewisse Erwartungen für die Zukunft haben? Heisst denn, in der Gegenwart leben, dass man hier verfaulen muss? Sind es nicht die Ideen, Vorhaben und Zukunftspläne, die einen anspornen, vorantreiben, zum Weitermachen anregen?

Doch wie sieht das in der Realität aus? Wo hören Träumereien auf und wo fangen realistisch umsetzbare Pläne an? Und vor allem: wann ist der richtige Zeitpunkt, diese dann wirklich anzugehen?

Persönlich finde ich es nicht leicht, die richtige Balance zu finden zwischen den Dingen, die JETZT zu meinem alltäglichen Leben dazu gehören, und den Dingen, die ich SPÄTER MAL als festen Bestandteil zu meinem Leben zählen möchte. Beispiele aus meinem Dasein gäbe es da viele: Mein idyllischer (durchaus für Jugendzeiten gesunder, wie ich finde) Teenagertraum sah vor, SPÄTER MAL auf einer stürmischen Nordseeinsel zu leben, dazu in einem Globetrotterjob in der internationalen Wasweissich-Branche meinen Lebensunterhalt zu verdienen und zudem noch Triathlon zu betreiben. Und perfekt spanisch zu sprechen. Natürlich alles gleichzeitig, in einem Leben. Alles schwärmerische Utopie von damals, meinem ehemaligen JETZT, von der ich mich irgendwann friedlich und tränenlos verabschiedete.

Traum ade – ok.

Früher wollte ich immer gerne reisen, es war ein Traum von mir, die Welt zu erkunden. Zur Zeit ist die aus vielerlei (familiären, finanziellen, beruflichen) Gründen nicht so uneingeschränkt möglich, ist somit zu einem, aus heutiger Sicht jedenfalls, realisierbaren Traum für SPÄTER MAL geworden.

Traum in spe -ok.  So weit, so gut.

Doch jetzt: Als Familie hätten wir SPÄTER MAL gern ein kleines Häuschen, in dessen Garten sich unsere Sprösslinge an lauwarmen Sommerabenden unbeschwert müde toben können. In dessen Küche ich selbstgemachte Erdbeermarmelade in schicke Einmachgläser abfülle, während meine Kinder auf dem Dachboden verstecken spielen. Oder so ähnlich. Ein Traum, der so unrealistisch gar nicht klingt und irgendwie auch…gerechtfertigt ist. Wer wünscht sich denn nicht das Beste für seine Familie? Oder?

SPÄTER MAL…

Doch halt! Stop! Wann beginnt denn nun diese Ära des „SPÄTER MAL“? Heisst es nicht immer, dass der Zug irgendwann abgefahren ist…? Laufe ich nicht Gefahr, unrealistische Träume mit durchaus realisierbaren Vorhaben zu verwechseln und umgekehrt? Und dabei einen Haufen kostbarer Zeit zu verlieren? Und deswegen mal wieder nichts gebacken zu kriegen?

Um passend beim Thema „Eigentum“ zu bleiben: Meine emotionale Seite sagt mir in der Hinsicht z.B., dass unsere Kinder JETZT klein sind, sie sich JETZT über eine wundergrüne Rasenfläche direkt hinterm Haus freuen würden zum Fussballspielen, Blumengirlanden flechten und Indianerzelte bauen. Dass es JETZT Zeit ist, etwas Konkretes für sie und uns zu schaffen. SPÄTER MAL, ja dann, dann sind die Kids 18, werden flügge und diskoaffin (sollten diese dann noch WIE FRÜHER in sein) und wollen sicherlich partout nichts mehr wissen von der wöchentlichen Rasenmähschicht und familiären Grillabenden mit Mama und Papa im Freien. Und was machen wir dann mit diesem NUN ENDLICH umgesetzten Traum von DAMALS, der sich dann vielleicht irgendwie so…abgekühlt anfühlt?

Meine rationale, vernünftige, bodenfeste Seite (die könnte demzufolge auch mein Mann verkörpern) hingegen drängt mit anderen Argumenten: So ein grosser Haustraum nimmt anderen, kleineren Familienprojekten den Wind aus den Segeln. Wollen wir denn finanziell alles auf eine Karte setzen? Die Kinder wachsen auch ohne all das geborgen auf. In ein paar Jahren reden wir nochmal drüber, wenn die Umstände anders sind…

Wieder dieses „SPÄTER MAL! 

Und überhaupt: Gibt es diese „richtigen Umstände“?Ich wage zu behaupten, dass man womöglich gar nichts mehr anpacken würde, wenn man auf die „perfekte Zeit“ wartet: Man würde wahrscheinlich keine Kinder bekommen, denn irgendein äusserer Faktor spricht immer dagegen: Arbeit, Unabhängigkeit, Hobbies. Irgendwas passt nimmer.
Möglicherweise würde sich niemand aus freien Stücken in eine mittelschwere finanzielle Abhängigkeit in Form eines Kredits o.ä. begeben. Also keine Häuschen im Grünen.
Man würde wohl überhaupt nie etwas Grosses planen, da man doch eh nie vorbereitet ist auf die Unvorhersehbarkeiten des Lebens. Worauf warten also?

Gläubige würden an dieser Stelle womöglich einwerfen, dass Gott einen Weg für einen Jeden von uns entworfen hat und er uns dann „zur richtigen Zeit“ die Weichen stellt. Es liegt nur an uns, diese zu erkennen. Irgendwann stehen dann eben alle Zeiche auf „OK“. „Wer nichts wagt, kann nichts gewinnen“ würden die Mutigeren unter uns wiederum sagen. „Alles eine Frage der Einstellung“ würde es von anderen Seiten aus heissen. „Das Schicksal macht eh, was es will“ höre ich schon von woanders…

Doch inmitten des Gedankenabwägens vergeht die Zeit. Währenddessen wusele ich, mein Mann plant, die Kinder wachsen. Das „SPÄTER MAL“ rückt näher und unsere Pläne und Träume…in weite Ferne?

Ich bin ratlos. Ich tue mich schwer…weiss nicht, wo UNSERE familiäre Linie liegt zwischen „das kann noch auf SPÄTER MAL warten“ und „das packen wir GLEICH MAL an“… Die Zeit im HIER UND JETZT geniessen, dennoch die Zeit nutzen, um Neues zu kreiren. Irgendwie also keine Zeit verschwenden.

HIER UND JETZT muss ich diese Gedanken aber erst mal für mich zu Ende denken. Muss versuchen zu verstehen, was ich und vor allem WIR wann und wie und in welcher Zeitspanne erreichen, schaffen, umsetzen möchte – für und und die Familie. Fakt ist, dass unsere Erdenzeit begrenzt ist: Die ersten 30/40 Jahre sind schon rum, vielleicht haben wir das Glück, noch weitere 30/40 Jahre vor uns zu haben. Wichtig ist, dass wir „SPÄTER MAL“, wenn wir vielleicht in unserem kleinen Häuschen häkelnd, strickend, marmeladekochend (ich) und lesend, philosophierend, schaukelstuhlschaukelnd (mein Mann) auf unsere gemeinsame Zeit als Familie zurückschauen können…und zufrieden damit sind, was wir erreicht, umgesetzt, geplant, entworfen haben…

 „Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem stehenbleiben.“  Aus China

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