Absurditäten alla italiana 2.Teil

Manch einer würde gern mehr über meinen Leben hier in Italien erfahren. Ich habe dies zum Anlass genommen, Euch einige Anekdoten zu erzählen, die mich in meinem „italienischen Alltag“ ab und an zum Kopfschütteln bringen – auch wenn viele davon sicherlich nicht nur für das italienische Staatsgebiet charakteristisch sind…😉

Wer schon meinen ersten Beitrag zum Thema „Absurditäten in meinem italienischen Alltag“ gelesen hat, wird sicherlich bemerkt haben, dass dort (wie auch hier) meinerseits vor allem eine gewisse Portion an Ironie und Humor drinsteckt😉! Nehmt also meine Ausführungen nicht allzu ernst; es darf gerne geschmunzelt werden😜…

Hier also die 2.Runde: Es geht um die…

Einhaltung von Ruhezeiten

Ich erinnere mich noch genau daran, als meine Eltern damals gerade eine neue Mietwohnung im „Plattenbau“ bezogen hatten und es meinem Vati doch tatsächlich in den Sinn kam, kurz nach zwölf Uhr mittags noch schnell einen letzten Nagel in die Wand zu schlagen…

Ojemine!!! Keine dreißig Sekunden vergingen, da hing schon der Haussegen schief: Der Mieter unter uns hatte mit seinem an die Wohnzimmerdecke klopfenden Besenstiel nicht lange auf sich warten lassen, um damit lautstark und unmissverständlich seinen Unmut preis zu geben…

Damals als Jugendliche, die ohne feste Uhrzeiten lebte und gar nicht verstand, warum man sich über so eine banale Kleinigkeit denn so maßlos aufregen kann, fand ich eine derartige Reaktion natürlich fehl am Platz und etwas übertrieben. Auch heute noch- in den meisten Fällen jedenfalls…

Seit ich nämlich kleine Kinder habe, dessen Mittagsruhe vor allem MIR heilig ist, fordere ich – egoistischerweise und auf das Wohl meiner Kinder bedacht- zur nachmittäglichen Schlafenszeit eben diese Ruhe ein. In dem Bewusstsein, damit natürlich auch einiges von meinen Mitmenschen zu erwarten: In der Wohnung wird die Klospülung AUF GAR KEINEN FALL betätigt (im „schlimmsten“ Fall wird nachher gelüftet😉), schon gar nicht die Geschirrspülmaschine ausgeräumt oder sogar, wenn auch nur in Zimmerlautstärke, telefoniert. Ich verlange klösterliche Stille…

Es rette sich wer kann, wenn ich den erwische, der diesen Zustand der von mir auferlegten obligatorischen Stille auf irgendeine Weise zu stören wagt!

Und irgendwann im vergangenen Frühsommer war es dann soweit!! Ja, ich hätte es wissen müssen! Dass es wieder so kommt! Genau wie im letzten Jahr und dem davor…👿

Ein Grund, warum wir uns damals, ein paar Monate vor unserer Hochzeit, für diese gemeinsame Wohnung entschieden hatten, war die kleine, parkähnliche Grünfläche vor dem Haus. Mit einer gemütlichen Bank, ein paar schattenspendenden, hohen Bäumen, einigen duftenden Sträuchern und schön anzusehenden, jahreszeitlich verschieden bunten Blumen, welche der eine oder andere Eigentümer oder Mieter im Laufe der Jahre liebevoll angepflanzt hatte. Von unserem Schlafzimmerbalkon blicken wir also direkt auf diese grüne Idylle…

Doch der Schein sollte trügen!

Wo Pflänzchen und Blümchen stehen, da sollte man früher oder später auch den 😱GÄRTNER😱 erwarten- und der sollte mich vor allem im vergangenen Jahr regelmässig und beharrlich auf die Palme bringen!

Warum? Na ratet mal! Jaaa, genau: Er schaffte es doch tatsächlich IMMER, OHNE AUSNAHME, pünktlich (und wohlbemerkt unter Missachtung der Hausordnung!) zur unserer Mittagsschlafzeit zu erscheinen und meine „Vorgaben“ zu missachten! Als hätte er mit seinem Rasenmäher nur darauf gewartet, dass die Kinder bettfertig und müde waren, ich die Jalousien schloss, dazu im warmen Sommer das Fenster in der Hoffnung auf eine kühle Brise öffnete und versuchte, meine zwei kleinen Kinder zum Schlafen zu bewegen – was an und für sich schon im Idealzustand keine einfache Sache ist.

Und dann legte er los. Gut gesättigt und nach seiner offensichtlich schon beendeten Siesta ging er punkt 14 Uhr ans Werk: Freischneider anschmeissen und die Rasenkanten säubern, Rasenmäher in Gang bringen und gefühlte 80 Runden drehen, um aus dem italienischen einen englischen Rasen machen zu wollen, dazu lautstarkes Geschwätz mit den vornehmlich älteren Anwohnern, die dem (wie ich später erfahren sollte) seit über 30 Jahren hier bei uns die Grünfläche pflegenden Gärtner schon einen Vertrauensbonus gegeben hatten. Was blieb ihnen auch anderes übrig? An Mittagsruhe war an Gärtnertagen sowieso nicht zu denken!

Selbst an äußerst heißen Hochsommertagen, an denen selbst ich die schwüle Mittagshitze unerträglich fand, ließ er sich nicht abschrecken! Auch 40 Grad im Schatten konnten ihn nicht von seinem botanischen Vorhaben abbringen. Sogar den arg gescheiterten Versuch, NACH einer verregneten, nasskalten Nacht die abgefallenen herbstlichen (zusammen und am Boden klebenden, klitschigen) Blätter mit dem Laubsager wegzublasen, durfte ich schon vom (Schau)Fenster aus miterleben. Und ich kommentierte dies wohl auch sehr animiert und amüsiert! Den Höhepunkt des letzten Jahres bildete die Beschneidung der Bäume, bei dessen Beobachten erst mein Sohn, der diese für ihn aufregende Aktion hautnah vom Fensterbrett aus verfolgen wollte, die Geduld verlor, da diese blöde Motorsäge einfach nicht anspringen wollte, und letztendlich auch ich, als ich mit ansehen musste , wie er jegliche Maßnahme, die zur Vorbeugung eines Unfalls hätten dienen können, komplett ignorierte. Tarzan wäre erblasst beim Anblick dieses am Baum hängenden und werkelnden Menschleins. Mal ganz abgesehen von einem tagelang, mit abgeschnittenen Ästen blockierten Gehweg, der ein Passieren unmöglich machte und uns zur Nutzung der Treppen zwang – Kinderwagen inklusive.

Nun ist Winter- endlich! Die Blümchen, Pflänzchen und Bäumchen haben sich zurückgezogen und machen ihre wohlverdiente Pause, der im Sommer erfrischend grüne Rasen hat in der Kälte ebenfalls leicht seine Farbe geändert und gönnt sich nun eine Winterruhe. Und wir auch. Wir gönnen uns die vom Rasenmähmann!

Denn wer weiss denn schon, wann er wiederkommt?!? Wahrscheinlich hangelt er sich noch an irgendeinem Baum von Ast zu Ast, oder vielleicht ist er auch gerade in den Winterschlaf gefallen…Aber…Moment mal! Ich hätte da so eine Idee, wie wir ihn wieder wachkriegen können: Ist der Rasenmäher startklar??😉

 

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kati Str sagt:

    Jetzt hatte ich nach den Feiertagen einiges nachzuholen und nachzulesen. Hach, ich hab es mit bildlich vorgestellt wie ein kleiner italienischer Gärtner unter eurem Fenster steht, hinaufschaut und denkt: jaaaa, endlich hat sie die Jalousie heruntergelassen. Dann kann ich ja den Rasenmäher anschmeißen 😂

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    1. Mäusemamma sagt:

      Oh ja, so war das auch!! Jedes Mal, wenn wir das Haus verlassen haben und der Rasen wieder mal gewachsen war und die Blumen blühten, kam mir schon das Grauen😱👿😉

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