Absurditäten alla italiana 1.Teil

Kopfschüttelnd stand ich da wieder einmal an der reich befahrenen innerstädtischen Straße und zählte gemeinsam mit meinem Sohn die 1-2-3-4-5-6-7…Autos, die uns, wohlbemerkt am gut ausgeschilderten Fußgängerüberweg wartend, komplett ignorierten. Wir, das waren meine Wenigkeit, mein Dreieinhalbjähriger auf seinem Laufrad und natürlich zur Vervollständigung unsere kleine Räubertochter im Kinderwagen, den ich vor mir herschob. Also zu übersehen waren wir jedenfalls nicht und es war klar, dass wir am Zebrastreifen nur das eine Ziel vor Augen hatten: irgendwie und möglichst unversehrt auf die gegenüberliegende Straßenseite zu gelangen. Eine recht komplizierte Angelegenheit, wenn man sich mitten in Italien befindet…und die Stadt ALLE (jaaa!) Ampeln (und damit eine letzte Hoffnung für alle Fußgänger) gänzlich abgeschafft hat!

So „richtig deutsch“-was auch immer das heissen mag- fühle ich mich nach all den Jahren hier in bella Italia eigentlich nicht mehr: Die meiste Zeit meines Berufslebens habe ich hier verbracht, meine Kinder sind in hier im Piemont auf die Welt gekommen und sind Halbitaliener, die aufgrund meiner grottenschlechten Deutschübermittlung zu 97% nur italienisch sprechen. Ausserdem habe ich hier die cucina italiana kennen und lieben gelernt, so dass sich meine Familie vor allem über landestypische Gerichte freuen darf. Kurz und knapp: Ich fühle mich hier zu Hause…

…wären da nicht diese alltäglichen Kleinigkeiten, die mich immer wieder aufs Neue zur Weißglut bringen!!!

Grrrr!!

Diese pieksenden Absurditäten, vor denen ich entweder ratlos und ungläubig versteinere oder die mich dazu zwingen, den Sinn und das „Warum“ dahinter komplett in Frage zu stellen!!!

Hääääh??!

Die Sache mit dem Fußgängerüberweg ist nur eine von vielen…

Hier kommt also Nummer eins meiner Top-Hitliste der Kopfschüttelangelegenheiten im italienischen Stil -mal von der Politik und den aktuellen Themen wie Arbeitsmarkt ganz abgesehen! Diese Liste werde ich im Laufe der Zeit ergänzen…die Punkte 2-5 stehen schon😉!

  1. Auf der Post

Ok, ich weiss nicht, ob es an mir liegt oder ich einfach am falschen Ort aufgewachsen bin oder mich meine Erinnerungen an der Nase herumführen. Aber da, wo ich herkomme, wurde, zu meiner Zeit jedenfalls, die Post, wie der Name schon sagt, für postrelevante Angegelegenheiten genutzt. Für mich eigentlich recht logisch: Briefe, Päckchen und Pakete absenden und empfangen, Briefmarken kaufen, vielleicht auch mal eine Postkarte, Umschläge und Schreibzeugs. Alles in allem also eine ziemlich eingegrenzte Sphäre, diese Poststelle…und das war für mich eigentlich immer eine grenzübergreifende Annahme: Post in Deutschland = Post in Italien. Doch Pustekuchen!

Wer hier tatsächlich den Mut und vor allem die Gelassenheit mit sich bringt, vollen Ernstes auch wirklich nur irgendetwas „mal schnell“ auf der Post erledigen zu wollen…ja…vor dem ziehe ich den Hut!

Eigentlich habe ich es bis heute nicht geschnallt, was man hier in modernen Zeiten alles auf der Post machen kann- oder im schlimmsten Fall sogar MUSS. Einiges wird nämlich hier von der posta italiana regelrecht monopolisiert. Deswegen habe ich jetzt zur Vertiefung erstmal gegoogled…

Die offizielle Webseite der italienischen Post führt stolz ihre vielzähligen Dienstleistungen auf: Eine ganze Seite zum Thema Postbank inklusive Infos zur Kontoeröffnung, zu Geldsendungen, Möglichkeiten zur Investition und Kreditaufnahme, Bezahlungsarten via Post und was sonst noch alles. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Weiter geht es mit einer langen Auflistung von Versicherungsangeboten zur Vorsorge, für Privatpersonen, Unternehmen; man kann sich virtuell seinen Rentenanspruch berechnen lassen, natürlich für alles Kostenvoranschläge erfragen und und und. Mir wird schon richtig wirr bei der Unmenge von Dienstleistungsangeboten. Und irgendwann, wohlbemerkt als dritter und letzter Punkt, stösst man dann endlich auf die rein posttechnischen Angebote. Gott sei Dank!

Mir ist sehr wohl bewusst, dass der Gang zur Post im digitalen Zeitalter nicht unbedingt immer erforderlich ist. E-mails ersetzen Briefe, Whatsapp, Twitter, Instagram und dergleichen Postkarten und Telegramme. Nur das mit den Päckchen verschicken, das klappt noch nicht ganz. Da muss die Post ran-oder einer der inzwischen zahlreichen, zum Glück konkurrenzfähigen, alternativen Anbieter.

Als ich mich vor kurzem nach laaaanger (und nicht vermisster) Zeit mal wieder auf die hiesige Poststelle begab, überkam mich wieder einer dieser Kopfschüttelmomente der Ungläubigkeit…

Wo war ich hier gelandet?

Mal abgesehen von der unausstehlichen Innentemperatur und der Unmenge von Personen, die wie ich, je nach Anliegen, eine entsprechende Nummer gezogen hatten, erhielt ich mir trotz allem relativ lang die Hoffnung, in einer absehbaren Zeitspanne wieder auf freiem Fuss zu sein. Bei immerhin 6/7 offenen Schaltern keine gänzlich utopische Annahme. Doch herrje! Viel zu spät bemerkte ich, dass lediglich EIN Schalter für pure Postangelegenheiten reserviert war. EINER! Alle anderen beschäftigen sich AUSSCHLIESSLICH mit den oben erwähnten-und noch einigen anderen-Postbank-und Versicherungsdienstleistungen. Und Briefmarkenautomaten (mal so als Idee!) für jemanden, der nur einen Brief frankieren muss…wäre doch mal was, oder?!

Wie jetzt? Ich will nur ein Plätzchen-Päckchen aufgeben und werde von so gut wie allen, die nach mir reinkommen und eine von diesen vielen Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen oder Versicherungsdinge abwickeln müssen, überholt? Wo gibt’s denn sowas? Wäre ich auf der Sparkasse oder bei der Iduna Nova oder sonst wo, würde ich etwas längere Wartezeiten erwartungsgemäss und gelassen in Kauf nehmen. Aber bei der P-o-s-t??

Nee. So nicht. Das ist so eine Sache, bei der ich schwarz sehe. Bin ich denn die Einzige, der diese Ineffizienz auffällt? Beschwert sich denn sonst niemand? Häää?

Doch anstatt mich gross darüber aufzuregen, habe ich kurz und schmerzlos entschieden: Ab heute boykottiere ich sie. Sie-die Post. Ihre viel zu teuren Briefmarken dürfen sie sich gerne woanders hinkleben! Ich habe jetzt eine Alternative gefunden, die schneller, effizienter und dazu noch preiswerter funktioniert, ohne Warteschleife, ohne Nummer ziehen und direkt vor der Haustür. Dazu muss ich nicht mal beim Zebrastreifenüberqueren um meine und unsere körperliche Unversehrtheit bangen! PERFEKT!!

Sooo, liebe Leser! Schluss für heute mit dem Meckern. Und natürlich danke für’s Lesen…und vielleicht Mitfühlen😂?

Wenn ihr mehr über die Alltagsabsurditäten, auf die ich hier in meinem (trotz allem wunderschönen, das muss gesagt werden!!) Italien tagtäglich (naja, fast!) treffe, dann schaut wieder vorbei. Das nächste Mal erzähle ich euch von einem Klassiker des vergangenen Sommers👿: Dem fürchterlichen Rasenmähmann😱 zum Thema „Ruhestörung in Ruhezeiten“…

Bis bald!

 

 

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. ulbarb sagt:

    Hat dies auf Mauletti – frisch aus Italien rebloggt und kommentierte:
    frisch entdeckt: eine andere (tapfere) frau und mutter aus godd old germany, die auch in italien lebt und hier ueber italienische absurditaeten schreibt. tja, sie hat voll recht. die wenigen male, die ich auf die post muss (letzten musste ich sage und schreibe 150 euro ‚freiwilligen‘ beitrag fuer das laufende schuljahr am gymnasium meines sohnes ueberweisen) sind tragische events, die man mind. eine woche vorher einplanen sollte, damit man einen ganzen freien vormittag zur verfuegung hat.

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