đŸ‘«KinderđŸ‘¶ und đŸ˜€Emotionen😱

Wenn ich aufgeregt bin, greife ich zu Schokolade. Mein Kind wird von unruhigen NĂ€chten geplagt.

Bin ich angespannt, gehe ich eine Runde joggen. Mein Kind sucht NĂ€he.

Platze ich vor Freude, rufe ich eine Freundin zum Plaudern an. Mein Kind will alles mit mir teilen-und zwar sofort.

Brauche ich einfach mal Zeit zum abschalten, dann gibt es den Fernseher. FĂŒr meine Kinder gibt es Musik und BĂŒcher.

Und wenn mich etwas bedrĂŒckt, verfalle ich erstmal ins Schweigen und GrĂŒbeln. Und mein Kind?

Dies hier sind natĂŒrlich nicht meine ersten Überlegungen zum Thema Emotionen. Ich habe zwei kleine Kinder, die in ihrem Alter und ihrer Persönlichkeit verschieden sind, somit unterschiedlich auf die verschiedenen Situationen, die das Leben mit sich bringt, reagieren und diese auf eigene Art und Weise verĂ€ußerlichen und zeigen. Wie wir alle halt. Als Elternteil ist mir die emotive Wachstumsbegleitung meiner Kinder natĂŒrlich ein vorrangiges Anliegen, und es beschĂ€ftigt mich demzufolge tagtĂ€glich. Deshalb soll dieser Beitrag weniger empirisch sein (das Thema ist unter Experten ja nicht neu, dafĂŒr braucht es mich nicht), sondern vielmehr meine persönlichen Gedanken mit Blick auf meine eigenen Kinder, besonders auf unseren DreieinhalbjĂ€hrigen, wiedergeben…

Zum Einstieg: Neulich bin ich zum Thema „Emotionen bei Kindern“ auf einige interessante BlogbeitrĂ€ge gestoßen. Besonders im GedĂ€chtnis geblieben sind mir der Artikel von Nina vom sehr lesenswerten Blog „Gedankenpotpourri“ und der von Dienna auf „Zwischen Windeln und Wahnsinn“. Es geht um Angst und Wut bei Kindern. Schaut doch mal bei den Beiden vorbei. Ausserdem hat mich eine Buchrezension der FrĂŒhlingskindermama zum Thema „Hochsensible Kinder“ neugierig gemacht. Vielleicht interessiert sie euch ja auch-lest doch mal in den obigen Link rein…

Die BeitrĂ€ge haben mich…nun ja, zum Nachdenken angeregt. DiesbezĂŒglich kamen mir spontan Fragen auf, denen ich mich stelle, wĂ€hrend ich schreibe:

Wie gehen eigentlich meine Kinder mit ihren Emotionen um? Können sie Ihre GefĂŒhle ĂŒberhaupt schon verstehen und demzufolge verarbeiten? Wie stellen wir als Familie uns allgemein den emotionalen ZustĂ€nden der einzelnen Familienmitglieder? Und welche Reaktion zeigen wir Eltern auf die GefĂŒhle und GefĂŒhlsĂ€ußerungen unserer Kinder? Und vor allem: Deuten wir die emotiven AusbrĂŒche unserer Kinder auch richtig?

Deshalb blicke ich einmal auf die letzten Wochen zurĂŒck: Zum Altjahresende und Neujahresanfang war hier bei uns (wie wohl ĂŒberall) einiges los: Die ersten „Ferien“ vom neuen Kindergarten (bzw. der Kinderkrippe) seit September hatten begonnen, es folgten die Weihnachtsfeiertage mit aufregender Vorfreude, zahlreichen Geschenken fĂŒr die Kinder und einigen Feiern. Danach standen sogar ein paar spontane Urlaubstage auf dem Programm, und ĂŒberhaupt verbrachte die ganze Viererfamilie die ferien-und zuvor krankheitsbedingten Tage stets auf engstem Raum. Seit letzter Woche heisst es nun wieder Kitabeginn, RĂŒckkehr zum Alltag, zur Routine, zur sogenannten „NormalitĂ€t“.

Es kamen also viele EindrĂŒcke, Erlebnisse und Erfahrungen in kĂŒrzester Zeit zusammen, und somit kamen auch die unterschiedlichsten Emotionen auf- sowohl bei den Kindern als auch bei uns Erwachsenen:

Die Weihnachtsvorfreude der Kinder traf auf elterliche Angespanntheit, diese wiederum kollidierte mit manchmal etwas aufgedrehten Sprösslingen, die nach drei Monaten Kita mal wieder eine Auszeit zum Runterkommen und Entspannen benötigten.

Die elterliche Weihnachtsvorfreude inklusiver gutgemeinter NervositĂ€t um das erste Fest mit zwei Kindern hingegen stiess auf kindliche Ängste, die herrĂŒhrten von einer suspekten Vorstellung des gabenbringenden Weihnachtsmannes („Mama, kannst Du ihn anrufen und sagen, dass er die Geschenke einfach unter dem Baum liegen lassen soll?“) und schlaflosen NĂ€chten im Hinblick auf die Heiligen Drei Könige, die heissblĂŒtig mit ihren Kamelen erwartet wurden. Nicht selten löste sich dabei das Wunschdenken von uns Eltern, romantische, gemĂŒtliche Feiertage zu schaffen, in Qualm auf.

Nicht zu vergessen unser Urlaub, den wir natĂŒrlich vor allem fĂŒr die Kinder geplant hatten: Wir wollten ihnen etwas Tolles ermöglichen, etwas, woran sie sich gerne erinnern. Das hat auch alles prima, nach unseren Vorstellungen, geklappt. Doch als die Kinder abends mĂŒde bis ĂŒbermĂŒdet ins Bett fielen, fragte ich mich, ob wir ihnen nicht zuviel Aufregung zumuten. Oft kam in mir die Frage auf, wieviel „Stress„, im positiven wie im negativen Sinne, gut fĂŒr sie ist.

Und ĂŒberhaupt: In der Weihnachtszeit alle vier auf engstem Raum- da kam es manchmal schon zu mancher GefĂŒhlsexplosion von gross und klein…

Der eine war genervt, weil der andere zu laut war. Der andere war gestresst, weil er nichts von dem geschafft hat, was auf der langen To-do-Liste stand-wÀhrend der andere wiederum voller Vorfreude auf-was weiss ich-zur Quasselstrippe ohne Ausschaltknopf mutierte. Usw.usw.usw

Und nun, da wir in gewisser Weise zum Familienalltag zurĂŒckkehren, bemerke ich, wie die Kinder kurze Momente der Melancholie und Ferien-Familienzeit-Nostalgie zeigten und wĂ€hrend der ersten Kitatage auch die eine oder andere TrĂ€ne der Traurigkeit floss-welche aber schnell abgelöst wurde von neuer Zufriedenheit und kindestypischer Unbeschwertheit.

WechselbĂ€der der GefĂŒhle also, die besonders in ereignisreichen Zeiten fernab vom gewohnten und routinierten Alltag hohe Wellen schlagen…

Tja, liebe Leser, that is the question: Wie gehe ich denn nun mit den emotiven ZustĂ€nden meiner Kinder in den unterschiedlichen Lebenssituationen um? Kann ich das ĂŒberhaupt?

Ich gebe zu: Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich gewisse GefĂŒhlszustĂ€nde meiner Kleinen einfach nicht richtig zu nehmen weiss- sei es aus Eile, aus Bequemlichkeit, aus Unwissenheit, aus gedanklicher Abwesenheit.

So zum Beispiel kommt es vor, dass ich meinen Sohn gefĂŒhlte achzig Mal ermahne, „ordentlich“ zu essen, wĂ€hrend seine Schwester ungehalten mit dem Essen experimentieren, spielen und matschen darf. „Sie ist noch klein und kann das noch nicht anders“ heißt es dann oft. „Du bist schon groß und musst ein Vorbild fĂŒr sie sein.“ Ein Satz, der unser „Großer“ ungewollterweise oft zu hören bekommt-wie pĂ€dagogisch untauglich! Und wenn er dann auf seine eigene Art und Weise verstĂ€ndlicherweise Reaktionen zeigt und seine Emotionen nach aussen trĂ€gt (den Löffel bewusst zu Boden schmeisst/nicht aufhört zu quasseln/seine Schwester provoziert/sich weigert, die HĂ€nde zu waschen/das Spielzeug vom Tisch zu rĂ€umen…)- dann reagieren wir bei Weitem nicht immer richtig auf seine Eifersucht/ Angespanntheit/Wut/seinen gefĂŒhlten Stress. Oftmals wird ermahnt/ignoriert/wieder ermahnt/gedroht, anstatt die wahren GrĂŒnde seines Verhaltens sehen zu wollen. Wir ordnen dann seinen GefĂŒhlszustand, seine Reaktionen falsch ein, erkennen diese womöglich noch nicht einmal und reagieren selbst dementsprechend falsch, zu impulsiv, ohne nachzudenken.

Und das tut mir leid.

Es tut mir leid, wenn wir die Schwierigkeiten unterschĂ€tzen oder ignorieren, die unsere Kinder in gewissen, uns womöglich banal erscheinenden Alltagssituationen haben mögen. Ich darf z.B. von einem DreijĂ€hrigen einfach keine reibungslose, trotzfreie Gewöhnung an die neue Familienkonstellation zu viert, also mit kleinem Schwesterchen, erwarten. Es tut mir leid, dass wir in Situationen, in denen ganz klar die Eifersucht dominiert, nicht allzu selten dieÂ ĂŒblichen „Du bist doch schon gross“ und „Du solltest es besser wissen“ -Argumente parat haben und ihn mit seinen kleinen großen Sorgen und GefĂŒhlen, mit denen er da gerade zu kĂ€mpfen hat…irgendwie alleine lassen.

Wie kann ich mich darĂŒber wundern, dass mein Sohn nach ein paar Tagen krankheitsbedingtem Schlafmangels, wenig Appetit und einer ebenfalls kranken kleinen Schwester, die mindestens die HĂ€lfte meiner Aufmerksamkeit fĂŒr sich beansprucht, irgendwann quengelig, knautschig, anhĂ€nglich und nervenaufreibend wird? Ich selbst werde, glaube ich, in derartigen Situationen noch unausstehlicher.

Es tut mir auch leid, wenn ich die grenzenlose Freude und Begeisterung am Autorennenfahren/ Zimmerbasketballspielen/ BauklotztĂŒrmebauen meines Sohnes nicht immer so freudig und spontan teile und seine wiederholten Aufforderungen zum gemeinsamen Spielen vor mir herschiebe, um mich derweilen gefĂŒhlt „wichtigeren“ Dingen zuzuwenden. „Ich mach‘ nur noch das fertig, dann komm‘ ich, ja?“ höre ich mich dann zu ihm sagen. Welche Emotionen löst meine „GleichgĂŒltigkeit “ in ihm, der in dem Moment Zeit mit mir verbringen möchte, aus?

Es tut mir ebenso leid, wenn ich meine Idealvorstellung eines gelungenen Spielenachmittages/ Ausfluges/ Familienabends auf meine Kinder ĂŒbertragen und ihnen somit irgendwie das Ausleben ihrer eigenen Emotionen blockieren will. „Das muss dir doch gefallen“ ist ein Satz, den ich zwar nicht direkt ausspreche, der aber wohl in meinem Kopf umherkreist. Ich will doch nur das Beste- doch fĂŒr wen eigentlich?

Es tut mir leid, wenn mir ab und an der Geduldsfaden reisst und ich in bestimmten Situationen ĂŒberreagiere und damit meinen Kindern ein Unrecht tue. Das passiert meist dann, wenn ich meine eigenen Emotionen nicht unter Kontrolle habe, vielleicht gerade etwas ĂŒberfordert/mĂŒde/gereizt/besorgt/gedanklich woanders bin. Welche Erwartungshaltung kann ich, in dem Moment vielleicht ein emotives HĂ€ufchen Elend, von der GefĂŒhlswelt meiner Kinder haben?

Es tut mir leid, wenn ich von meinen kleinen Kindern diese erwachsene RationalitĂ€t erwarte. Wenn ich meine, dass sie VerĂ€nderungen der Alltagsroutine/ neuen Erlebnissen/ Verlusten etc. ebenso rational und bodenstĂ€ndig gegenĂŒbertreten mĂŒssten wie ich es zumindest versuche- aber eben selbst oft klĂ€glich daran scheitere. Ich darf mir nichts vormachen: VerĂ€nderungen jeglicher Art und Abweichungen von der sicherheitsgebenden Alltagsroutine bringen einfach Emotionen, GefĂŒhle, Reaktionen mit sich. In meiner Welt gibt es dafĂŒr eben Schokolade, Sport, TV, eine gute Freundin…

Aber in der Welt meiner Kinder?

In der Welt meiner Kinder existieren zunĂ€chst wir. Wir Eltern. Wir sind es, die unsere Kinder auf dem Weg des emotiven Wachstums begleiten und unterstĂŒtzen mĂŒssen. Beobachten, zuhören, nachfragen, da sein.

Dann muss ich mir ins GedĂ€chtnis rufen, dass meine Kinder, obgleich in meiner Welt lebend, nicht denken wie ich. Sie erleben anders, sie fĂŒhlen anders, sie drĂŒcken sich anders aus. Ich muss mir bewusst werden, dass sie ein Recht darauf haben, ihre GefĂŒhle so zu zeigen, wie sie es brauchen. Auch wenn sie dies auf fĂŒr uns vielleicht irrationale Art tun. Ich kann von ihnen keine emotionelle StabilitĂ€t verlangen. Wut, Eifersucht, Angst, Freude, Begeisterung…all diese Emotionen gehören dazu- zu ihrer Welt und zu der Welt, in die sie langsam hereinwachsen.

Das ist  vielleicht die grĂ¶ĂŸte Aufgabe, die ich mir als Mutter stellen kann: Mein Bestes zu versuchen, um meine Kinder auf das Leben „da draußen“ vorzubereiten. In dem sie vor allem lernen mĂŒssen, mit ihren Erfahrungen, ihrem Erlebten, ihren GefĂŒhlen umzugehen. Die erste Niederlage, die erste große Liebe, der erste Schicksalsschlag, die erste große Verantwortung…Wir werden sie auf diese reagieren?

In diesen Situation wird sich zeigen, was wir Eltern ihnen auf den Lebensweg mitgegeben haben. (Insgeheim hoffe ich, ja immer noch gut abzuschneiden😉!)

Danke fĂŒr’s Lesen und Kommentieren!

♄♄♄

‚„Ach Mama. Ich vertraue dir ja. Aber meine Angst vertraut dir nicht.“ So große Worte von Dir.‘

(Auszug aus dem Text von Nina vom Blog  Gedankenpotpourri)

„Bis der Moment kommt, in dem seine Wut plötzlich wieder abgeebbt ist. Als wĂŒrde man einen Schalter umlegen, ist alles wieder gut und er spielt fröhlich und quatscht und lacht, als ob nichts gewesen wĂ€re.“

(Das schreibt Dienna vom Blog Zwischen Windeln und Wahnsinn zum Thema Wut)

 

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ganz toll geschrieben! Du hast so recht. 😊

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    1. Danke Nina…natĂŒrlich auch Dir fĂŒr Deinen Artikel, der mich inspiriert hat!!! Einen schönen Sonntag Dir!!!😘

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      1. 🙂 Den wĂŒnsche ich dir ebenfalls!

        GefÀllt 1 Person

  2. Ein wundervoller Beitrag und meine Emotionen sind ganz bei Dir.

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    1. Dank Dir, liebe Katharina!!

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  3. Schöner Artikel!!!

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    1. Danke Dir! Lag mir auch viel dran…

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  4. Kati Str sagt:

    Den Artikel habe ich mir gleich mal gespeichert, sehr schön geschrieben! Vielen Dank fĂŒr deine offenen ehrlichen Worte.

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    1. O das freut mich sehr!!! Wie geht es Eud denn mit dem kleinen Wonneproppen?

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  5. Kati Str sagt:

    Ganz wunderbar geht es uns! Elias ist so goldig, aber mir geht alles viel zu schnell!
    Wir konnten ĂŒbrigens 2015 noch einmal in das Weihnachten meiner Kindheit abtauchen (das genau so war wie das von dir beschriebene deiner Kindheit). Dieses Jahr werden wir auch versuchen, unsere eigenen Traditionen zu schaffen. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit 😉

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