Streifzug durch meine Stadt…

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Ein wundervoller abendlicher Blick auf die Altstadt von Saluzzo

…durch meine italienische Stadt!💖

Es schwirrte mir schon lange im Kopf herum, diesen Beitrag endlich zu veröffentlichen! Denn bisher habe ich auf meinem Blog noch nicht allzu viel von meinem „dolce vita“ hier in Italien preisgegeben. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich bereits seit dem mir mittlerweile fern erscheinenden Jahr 2001 (damals gab es noch die Lire!!) hier lebe und mein Leben in „bella Italia“ für mich nichts unbedingt Aussergewöhnliches mehr darstellt. Ich bin hier einfach zu Hause. Casa dolce casa eben. Wie es mich direkt nach dem Abitur in ein ehemaliges Kloster in einem kleinen Dorf mit 1.500 Seelen verschlagen hat und warum ich dort (und jetzt hier) solange geblieben bin, erfahrt ihr noch in einem anderen Beitrag. Bis es soweit ist, müssen aber bei mir noch ein paar Wunden heilen….

Viel lieber möchte ich euch heute mitnehmen auf einen Spaziergang durch die wunderschöne Stadt, in der ich und wir als Familie seit 2011 leben und durch die ich als Fremdenführerin ab und an Touristengruppen begleite: Saluzzo. Eine Stadt mit einer interessanten Geschichte, die bis ins 12.Jahrhundert reicht und welche besonders in der Architektur und Kunst einzigartige Spuren, vor allem aus dem 15.Jahrhundert, hinterlassen hat. Nicht umsonst wird sie oft als „Siena des Piemont“ beschrieben. Eine Stadt, in der man wunderbar als Familie leben kann, sei es wegen ihrer überschaubaren Grösse, sei es wegen ihrer charmanten „dolce vita“, sei es wegen einer gut durchdachten und familienfreundlichen Stadtplanung mit Spielplätzen, Parks, Schulen, Einrichtungen für kulturelle und sportliche Aktivitäten, oder sei es wegen ihrer idyllischen Lage nah an den Alpen und gleichzeitig nicht unweit von grösseren Städten wie Turin oder Cuneo sowie verkehrstechnisch relativ gut verbunden mit Frankreich und dem Mittelmeer.

Was mir zur Veröffentlichung dieses Artikels bis jetzt noch fehlte waren Eindrücke in Form von Bildern meiner Stadt. Denn diese geben den Erzählungen erst richtig Farbe und Ausdruckskraft! Einen Grossteil der Fotos habe ich vor ein paar Tagen bei einem solitären, kalorienverbrennenden Spaziergang geschossen-wie ihr seht bei tollstem Wetter!

Begleitet mich also auf einen virtuellen Streifzug durch mein schönes Saluzzo…

Als Ausgangspunkt habe ich das Herzstück der mittelalterlichen Altstadt ausgewählt: die „Castiglia„. Dieses ehemalige Schloss, welches die Stadt überragt, wurde Ende des 13.Jahrhunderts von den damals regierenden Markgrafen von Saluzzo als deren Wohn-und Regierungssitz errichtet und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach aus- und umgebaut. Auf Wunsch der Savoyer erhielt die Castiglia Anfang des 19.Jahrhunderts eine neue Aufgabe und wurde in eines der für die Zeit modernsten Gefängnisse des Landes verwandelt- bis ins Jahr 1992. Seit einigen Jahren ist das Schloss Museumspol der Stadt, gemeinsam mit Räumen für Wanderausstellungen, kulturellen Events sowie Sitz des historischen Stadtarchives. Mehr über die Castiglia und alle anderen Museen der Stadt findet ihr z.B. hier oder auch hier auf Facebook. Zu meinem Geheimtipps in der Castiglia zählt das moderne Museum der „Civilta‘ Cavalleresca„, in dem auf einzigartige, multimediale und sehr detaillierte Art und Weise die fast 400jährige Geschichte der Markgrafschaft von Saluzzo vertieft wird.

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Die „Castiglia“

Etwa zeitgleich mit dem Bau der Castiglia entstand auch ein erster Stadtkern um das Schloss herum. Die heutige „Salita al Castello“ war damals das kommerzielle Zentrum der heutigen Altstadt, dessen Aussehen sich vor allem im 15. Jahrhundert im Stile der Gotik veränderte. Interessante, noch heute gut erhaltene und zum Teil für den Besucher zugängliche Gebäude sind der „Antico Palazzo Comunale“ (Altes Rathaus) und der „Torre Civica“ (Stadtturm), beide aus der 2. Hälfte des 15.Jahrhunderts stammend, sowie der „Palazzo delle Arti Liberali„, der etwas später auf Wunsch des damaligen Markgrafens Ludovico II. als Schule zur Unterrichtung von humanitären Fächern gebaut wurde.

Dem Spaziergänger bieten sich natürlich auch viele kleine, romantische Ecken und Details, die für einen Augenblick zum Verweilen einladen…

Einer der wohl schönsten und meistbesuchtesten Plätze der Altstadt ist die Kirche „San Giovanni“, welche dem Heiligen Johannes dem Täufer gewidmet ist. Sie galt, nicht nur wegen ihrer Nähe zur Castiglia, bis ins 16.Jh. als religöser Mittelpunkt der Markgrafen, welche sie gegen Ende des 14.Jahrhunderts zu ihrer Grabstätte auswählten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mehrfach vergrössert, umgebaut, sogar gedreht und zeigt sich den Besuchern heute als eine wunderschöne gotische Kirche. Hauptattraktion ist die Grabkapelle des Markgrafen Ludovico II. im Spitzbogenstil und mit (für die Gegend eher seltenen) Elementen der Renaissance, Fresken aus dem 14.Jh. und dem Klosterhof aus dem 15.Jh. Hier befindet sich mittlerweile ein Hotel+Restaurant.

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Die Kirche San Giovanni

Unser Spaziergang führt nun vorbei am Stadtmuseum „Casa Cavassa“, welches ein „Muss“ ist für alle Touristen ist, die an der Stadtgeschichte interessiert sind und eine der einflussreichsten Familien am Hofe der Markgrafen kennenlernen wollen. Ausserdem birgt das Museum, welches bereits Ende des 19.Jh. als erstes und lange Zeit einziges Museum der Stadt seine Türen öffnete, bedeutende Kunstschätze in sich, wie unter anderem Werke des flämischen Künstlers Hans Clemer…Entdeckt diese selbst, z.B.unter diesem Link.

Auf dem Weg in den unteren Teil der Stadt begegnen wir natürlich noch weiteren sehenswerten Aussichtspunkten und historischen Gebäuden, die ich aber leider nicht alle in Wort und Bild festhalten möchte. Hierfür ist die Stadt einfach einen persönlichen Besuch wert😉. Also gut, einen Vorgeschmack auf den atemberaubenden Panoramablick auf „unseren“ Monviso, dem übersetzt „sichtbaren Berg“ oder „Re di Pietra“, gibt es hier:

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Im Kontrast zur eher ruhigen, verwinkelten, manchmal auch schlummernden Altstadt mit ihren engen Gassen und Treppen und historisch geprägten Gebäuden steht der untere, weitaus modernere Stadtteil. Dieser hat sich etwas später entwickelt, und Mittelpunkt des sozialen und religiösen Lebens stellt die Fußgängerzone des Corso Italia mit den kleineren Seiten-und Parallelstrassen sowie die Kathedrale „Santa Maria Assunta“ dar.

Erst seit zirka einem Jahrzehnt kann man in der Innenstand bequem zu Fuss und ohne störenden Verkehr in den vielen vor allem Mode-und Gastronomigeschäften bummeln, in einem der zahlreichen Bars und Cafés einen Kaffee trinken oder Eis essen oder, wie es besonders am Wochenende und schwülen Sommerabenden üblich ist, sich einfach mal “ auf dem Laufsteg sehen lassen“. Fast die gesamte Innenstadt verwandelt sich zweimal die Woche, mittwochs und samstags, in einen grossen, kunterbunten, gut besuchten Marktplatz.

Die zentrale Kirche Santa Maria Assunta, von den Einheimischen auch liebevoll „Duomo“ genannt, wurde Ende des 15./in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts auf Wunsch des Markgrafen Ludovico II. und seiner Frau (und ab 1504 Witwe) Margherita de Foix errichtet. Ein Ziel dieses grossen (die Kirche misst eine Länge von rund 80 Metern), gotischen Kirchenbaus, welcher eine kleinere „pieve“ ersetzte, war das Anliegen des markgräflichen Hofes, Saluzzo zum Bischofssitz zu erheben. Dies erreichte man dann auch im Jahre 1511. Warum darin der Legende nach auch ein lokaler Rotwein eine bedeutende Rolle gespielt haben soll, lest ihr hier! Interessant für den Besucher ist die Kappelle des „Santissimo Sacramento“, welche eines der wichtigsten Kunstwerke des bereits erwähnten Malers Hans Clemer enthält.

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Die Innenstadt ist immer wieder Schauplatz von Modernisierungsarbeiten oder Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtbildes und der Lebensqualität. Beispiele sind z.B. ein neuer zentraler „Spielplatz“ für große und kleine Kinder und der Umzug eines historischen Brunnens, der bis vor kurzem versteckt und etwas vergessen inmitten eines Parkplatzes stand.

Aber auch sonst wird man bei einem Spaziergang durch die Innenstadt einladende und romantische Plätzchen entdecken…

Wusstet ihr, dass der äusserst bekannte italienische Schriftsteller Silvio Pellico (siehe Monument im kleinen Bild) im Jahre 1789 in Saluzzo geboren wurde und man heute sein Geburtshaus besuchen kann?

Saluzzo zählt ca. 16.000 Einwohner und teilt sich somit in mehrere Stadtteile auf. Viele von ihnen sind durch Mehrfamilienhäuser der 60er/70er Jahre geprägt, aber auch Jugendstilgebäude und moderne Appartmenthäuser sind vertreten. Die historische Altstadt und das Zentrum, durch die ich euch auf meinem Streifzug begleitet habe, geben demzufolge nur einen kleinen Einblick in „meine“ Stadt.

Bevor ich euch jetzt Zeit zum googlen, träumen, Urlaub planen😉 lasse, möchte ich euch noch mitnehmen auf einen meiner (und überhaupt der Einheimischen) liebsten Spazier-und Joggingwege. Dieser führt auf einer Anhöhe rund um die Stadt und kann beliebig ausgedehnt werden in angrenzende Ortschaften wie z.B. nach Manta mit seinem sehr zu empfehlenden und international besuchtem Schloss (das verlinke ich jetzt mal nicht, ihr seid dran mit surfen im Web, wenn es euch neugierig gemacht hat!).

Geniesst also die letzten Bilder dieses Streifzuges…

Solltet ihr Lust auf mehr bekommen haben, dürft ihr euch gerne bei mir melden. Wie bereits geschrieben bin ich in unserer Gegend als Fremdenführerin tätig und stehe gerne mit Rat und Tat zur Seite😉!

Danke für’s Lesen und Schauen!!

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Dienna sagt:

    Wunderschön!

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    1. Mäusemamma sagt:

      Danke! Ist definitiv einen Besuch wert!!! Viele Grüsse!!

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      1. Dienna sagt:

        Wenn die Kinder mal größer sind, vielleicht. ☺

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      2. Mäusemamma sagt:

        Hier in der Gegend kann man recht viel mit Kindern unternehmen. Das einzig Negative ist die relativ schlechte Anbindung an Flughäfen und Autobahnen, deshalb muss man viel Gefahre mit einrechnen, wenn man hier herkommen möchte…

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  2. KeNo sagt:

    Leider, leider so viel Gefahre…

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    1. Mäusemamma sagt:

      Das stimmt!! Aber irgendwann vielleicht mal???

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  3. Liebe Claudia,
    wie schön dass Du bei mir einen Kommentar hinterlassen hast, denn sonst hätte ich Dich und Deinen wunderschönen Blog gar nicht gefunden!
    Wunderschöne Bilder und schöne Eindrücke Deiner Stadt. Bevor wir nach Frankreich zogen, war Italien eigentlich mein Lieblinsland in dem ich immer mal leben wollte. Es wurde dann wegen meinem Mann Frankreich und war eine wunderschöne Zeit. Jetzt wieder in Deutschland zu leben, fühlt sich für mich irgendwie seltsam an. Aber gut, so ist es eben.
    Ich freue mich, dass ich nun eine andere Expat-Bloggerin gefunden habe und hoffe auf viele folgende Beiträge aus Bella Italia 🙂
    Lieben Gruß
    Tanja

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    1. Mäusemamma sagt:

      Hallo liebe Tanja! Vielen Dank für Deinen Kommentar; ich werde jetzt öfters mal bei Dir schlunzen😉! O ja, ich weiß, wie es ist, nach langer Zeit woanders wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Ich hatte es damals nach 5 Jahren in Italien (damals noch ohne Familie) mit einer Rückkehr versucht, bin aber kläglich daran gescheitert und dann durch Zufall doch wieder hiet gelandet. Mit Kindern stelle ich mir das Ganze noch schwerer vor!! Vielen Dank nochmal und bis bald!! Viele Grüße! Claudia

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  4. Pingback: MÄUSEMAMMA…

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