Ein bisschen (H)Auszeit

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Heute ist so ein Tag. Ein Tag, an dem ich Zeit brauche. Zeit fuer eine Auszeit. Ohne H.

Eigentlich war das gar nicht so geplant. Heute stand ein Krankenhauskontrollbesuch mit unserem Grossen inklusive Familienausflug zu viert an. Yippie!

Aber: Unserer Einjaehrigen kam gestern abend die Nudeln und das Omelett genau so wieder raus, wie sie diese kurz vorher genuesslich in ihr hungriges Schleckermuendchen geschoben hatte. Dazu Husten. Also Programmaenderung, flink Plan B noch am Abendbrottisch entworfen und Familienausflug gestrichen. Die Kleine wollte ich dafuer heute zur Untersuchung zum Kinderarzt bringen. Doch am Ende kam spontan alles anders, sagen wir „Plan C“ dazu: Mein Mann hat sich freiwillig dazu bereit erklaert, unseren kleinen Allergiker allein zur 50km entfernten Aerztin zu begleiten, waehrend ich bei unserem huestelnden und nasetroepfelnden Lockenkopf bleiben sollte. Diesem ging es aber wundersamerweise heute frueh wieder praechtig, jedenfalls besser als mir, und per Telefon hat uns ihr Arzt den Termin „bei Bedarf“ auf morgen verschoben. Ist wohl nichts weiter Besorgenswertes, ueber was wir uns da Sorgen machten. Somit habe ich sie ungeplanterweise, auf den letzten Druecker, doch noch in die Krippe zum Spielen gebracht. Nach uns fiel die Tuer zu.

Ich gebe es zu: Heute ist eben so ein Tag, an dem ich einfach keinen Nerv gehabt haette, von frueh bis abends (wenn wir die Nacht inklusive Stillsessions mal wegrechnen) auf dem Fussboden mit klein Prinzessin und spaeter noch mit gross Raeuber zu verbringen. Geht heute einfach nicht. Ich brauch mal Zeit fuer etwas Anderes, ohne Kind und Kegel und Kueche und Kullerbahn. Wenigstens die paar Stunden am Vormittag, bis die ganze Bande wieder eintrudelt.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe Freude an, mit und im Beisein meiner Kinder. Aber ich freue mich auch, wenn ich sie in guter Obhut weiss und sie Freude haben koennen ohne Mama und Papa, mit anderen Kindern und in einer kindgerechten Umgebung. Die Freude am Wiedersehen nach dieser beidseitigen Auszeit ist dafuer umso groesser. Der Abstand tut allen gut.

Sollte ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben? Ich weiss es nicht.

Ich gebe zu- ich kann mich nicht beklagen ueber meinen und unseren Alltag. Wie ich schon in einem anderen Beitrag geschrieben hatte, bin ich derzeit keine auf Vollzeit berufstaetige Mama und habe alles in allem gesehen eine sehr gute Balance zwischen Kindern, Haushalt und gelegentlichen wochenendlichen Fuehrungen gefunden.

Mal abgesehen von den Kindergaerten, die unsere beiden Maeuse vormittags besuchen, besitzen wir jedoch leider kein (typisch italienisches) familiaeres Netzwerk, auf das wir uns bei Bedarf stuetzen koennten. Also gonglieren wir, mein Mann und ich allein, unseren Alltag, mit allem, was dazu gehoert: Arbeit, Haushalt, Kinder in gesundem Zustand, Kinder in krankem Zustand, familiaere Termine und alle sonstigen 08/15-Angelegenheiten.

Alles normal also. Wie in jeder Familie. Und sicherlich noch schwerer zu handhaben, wenn beide Eltern (Hut ab!) voll berufstaetig sind. Ganz klare Sache.

Meine Vormittage von Montag bis Freitag folgen mehr oder weniger stets dem gleichen Schema:

  • Mama, Kind Nr. 1 und Kind Nr.2 fertig machen fuer den Kindergarten (immer viiiel zu spaet)
  • Kind Nr. 1 in den Kindergarten bringen, Kind Nr.2 in die Kinderkrippe bringen, der damit verbundene Spaziergang ist einer meiner liebsten Momente am Tag
  • Wenn schon einmal unterwegs, einige Besorgungen erledigen: Apotheke, Einkaeufe, Bank, Amt etc.
  • Zu Hause eintrudeln und…ja…womit fange ich denn jetzt an? Staubsagen? Staubwischen? Waesche aufhaengen? Waesche abnehmen? Mittagessen vorbereiten? Abendessen vorbereiten? Bad putzen? Bettwaesche wechseln? Buegeln? Hier beginnt dann der alltaegliche Wettlauf gegen die (Mikrowellen)Uhr. Alles geschafft kriegen vor zwoelf, bevor es nach einem fixen Mittagsimbiss mit meinem Mann wieder heisst: Kind Nr.1 aus dem Kindergarten abholen, Kind Nr. 2 aus der Kinderkrippe abholen…

Jegliche andere Beschaeftigung, als die verbleibende Zeit des Tages mit den Kindern zu verbringen ist, wie Ihr Euch vorstellen koennt und sicherlich aus eigener Erfahrung nur allzu gut kennt, eine UTOPIE!

Doch zurueck zum heutigen Morgen. Aus der alltaeglichen Hauszeit ist heute also mal meine Auszeit geworden.

Haushalt: Nur das Noetigste. Dafuer lieber mal ein paar neue Fotos aufhaengen, ausspitteln im Kinderzimmer, staubsaugen…(ok, ich gebe zu, die Verlockung „nach mehr“ war da, ich Perfektionistin, ich!). P.S. Mir kommt gerade das Lied „Das bisschen Haushalt….sagt mein Mann“ in den Sinn. Kennt Ihr das?

Kochen: Nee, ist ja eh keiner da zum Mittag, deswegen gibt es heute nur den aufgewaermten Griessbrei, den gestern keiner wollte. Und mal Obst.

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Von jetzt bis zwoelf habe nehme ich mir einfach mal die Zeit, die ich heute egoistischerweise brauche. Mit einer stets bereitstehenden Tasse warmem Fruechtetee (mit den vorweihnachtlichen Spekulatiuskeksen wollte ich nicht auch noch anfangen, denn sonst gewoehne ich mich an den Luxus des „Ich-habe-die-Wohnung-mal-ganz-fuer mich!) und einfach mal…Ruhe…Stille..Niemand da. Herrlich!

Diesen Morgen goenne ich mir einfach mal. Ohne alle. Ohne Kids. Ohne Krach. Ohne „Klopf, klopf! Darf ich mal kurz stoeren“?

Ja, das hatte ich bisher vergessen zu erwaehnen: Die Kinder sind im Normalfall ausser Haus, aber:

Da ist noch mein Mann.

Seit einigen Monaten arbeitet er bequem und kostensparend von zu Hause aus. Home office heisst das wohl auf modern. Fuer mich heisst das eher manchmal: noch weniger Platz in unserer sowieso schon engen Dreizimmerwohnung.

Wenn die Kinder also auswaerts am Spielen, Basteln, Matschen, Lernen und Essen sind, spielen sich heimwaerts fast jeden Morgen erwartungsgemaess dieselben Szenen ab:

Mann will sich konzentrieren und laesst die Rollaeden runter, Sonne stoert am PC. Ich will/muss saubermachen und wuerde bei dem schoenen Wetter am Liebsten alle Balkontueren zum Durchlueften aufreissen.

Ich wuerde waehrend der kinderfreien Zeit meine haeuslichen Taetigkeiten gerne mit etwas Erwachsenenmusik untermalen (Kinderlieder gibt es ja sonst immer schon gratis). Doch halt, geht nicht, Mann braucht Ruhe und Konzentration zum Arbeiten.

Mann traut sich nicht aus dem Wohn…ehm…aus seinem Arbeitszimmer raus, aus Angst, er koennte ins frisch Gewischte latschen. Ich traue mich nicht ins Wohnzimmer Arbeitszimmer rein, aus Angst, ihn bei irgendeiner wichtigen Berechnung zu stoeren.

Mist, ich brauch den Waeschestaender, der im Wohnzimmer abnehmbereit zur Verfuegung steht. Klopf-husch hinein-„Bin gleich wieder weg! Und luefte doch mal, hier riecht’s!“

„Hier riecht’s, weil du in der Kueche irgendwas Komisches kochst!“

„Das ist nix Komisches, das ist Blumenkohl fuer heute Abend!“

„Wegen mir brauchst du nicht so einen Aufriss machen; du weisst doch, mir reicht ein Teller Nudeln!“

Na toll! Da ueberlegt man sich schon frueh, was man der Familie abends auf den Tisch setzen moechte, und siehe da: ist wurscht. Ne Pasta reicht. Na gut, ab morgen koche ich nix mehr! In der Zeit gehe ich lieber eine Runde joggen (schoen waer’s!).

Moment mal: Das haette ich ja auch heute vormittag machen koennen! Nach dem Fruechteteetrinken und Blogschreiben! Ich Schlafmuetze, ich! Und nun ist es doch schon wieder 12.02 und ich sollte mich lieber anziehen fuer den alltaeglichen Kinderabholspaziergang. Heute aber nur Kind Nr.2. Kind Nr. 1 ist ja heute mit Papa unterwegs….

 

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